Rostock – Bahnhof Schmarl

Schon 1896 wurde zwischen dem Rostocker Central-Bahnhof (heute Hauptbahnhof) durch die Lloyd-Bahn eine Bahnverbindung in das zum Badeort aufstrebende Fischerdorf Warnemünde eingerichtet.

Die Züge fuhren als Vorortzüge in recht dichter Folge; die hohe Bedeutung dieser Strecke wurde tariflich durch Tagesrückfahrkarten berücksichtigt.

Kurz vor Warnemünde zweigte ein Industrieanschlussgleis ab, das von der Arado Flugzeugwerke GmbH etwa ab den 1920er Jahren genutzt wurde.

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Mit dem Baubeginn der Heinkelwerke in Marienehe wuchs die Bedeutung der Strecke noch mehr. 1934 musste die Trassenführung der Bahnstrecke geändert werden – der Flugplatz der Heinkelwerke (der südlich des Dorfes Schmarl entstand) beanspruchte Platz. Das inzwischen nach Rostock eingemeindete Dorf Schmarl bekam einen neuen Bahnhof, der 1938 fertig gestellt wurde. Der Bahnhof Schmarl bekam ein Güterladegleis von 80 m Länge; das Bahnhofsgebäude in Klinkerbauweise beherbergte einen Warteraum, einen Fahrkartenschalter, ein kleines Stellwerk und Räume für die Gepäck- und Expressgutabfertigung.

Ein beschrankter Bahnübergang befand sich unmittelbar neben dem Bahnhofsgebäude.

Anfang der 1960er Jahre begannen die Planungen für eine neue Streckenführung.

Mit dem Bau von großen Plattenbau-Siedlungen entlang der Strecke (insbesondere der Ortsteile Evershagen und Lütten Klein) wuchs die Bedeutung dieser Bahnstrecke noch mehr. Jedoch lagen die neuen Wohngebiete zuweit abseits von der bereits existierenden S-Bahn-Strecke.

1970 wurde bereits eine Stichstrecke von Marienehe (als Abzweig von der Hauptstrecke) nach Lütten Klein eingerichtet. Diese Strecke wurde schrittweise bis nach Warnemünde verlängert, parallel zur „Stadtautobahn“, die weit westlich an Schmarl vorbei lief. Im Bereich des S-Bahn Haltepunktes Warnemünde Werft fädelte sich die Neubaustrecke in die alte Streckenführung ein.

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Haltepunkt Marienehe heute – rechts am Bildrand der Gleisrest, der in Richtung Heinkel-Flugplatz und Schmarl führte. Der Haltepunkt hatte damals keinen solchen Bahnsteig.

1974 wurde die neue S-Bahntrasse Richtung Warnemünde über Lütten Klein dann eröffnet und der Zugverkehr vertaktet.  Die alte Strecke über Schmarl wurde eingestellt und zurückgebaut – der Ortsteil Schmarl war von da an vom direkten S-Bahn-Anschluss abgeklemmt. Ironischerweise begannen 1975 die Bauarbeiten zur Errichtung einer neuen Wohnsiedlung im Bereich Schmarl – die nächstgelegenen Haltepunkte der S-Bahn waren Lütten Klein und Evershagen und nur durch längere Fußwege zu erreichen.

Teile der nördlichen Trassenführung wurden als Rangiergleis (aus Richtung Warnemünde) für die Warnow-Werft genutzt, die ab Anfang der 1950er Jahre auf dem Arado-Gelände errichtet wurde. Teile der alten Bahntrasse sind noch heute zu sehen und enden kurz vor dem Stadtteil Groß Klein.

Ein interessantes Relikt verbirgt sich hinter einem unscheinbaren Schild am Bahnhofsgebäude Schmarl.

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Im Untergeschoß des Bahnhofsgebäudes befand sich nicht nur die MITROPA (das typische Bahnhofsrestaurant), sondern auch der INTERSHOP – ein spezieller Laden, in dem man „Westwaren“ für „Westgeld“ kaufen konnte. Der INTERSHOP wurde bis in die 1970er Jahre von der MITROPA organisiert.

Ab den 1980er Jahren verfiel das Gelände rund um den ehemaligen Bahnhof Schmarl immer mehr. 1999 wurde er durch einen gemeinnützigen Verein wieder hergerichtet. Einige bahntechnische Relikte konnten dabei erhalten werden, auch wenn der heute dort abgestellte Eisenbahnwagen sich auf der ehemaligen Rückseite des Bahnhofsgebäudes befindet.

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Quellen:
Tack, Hans-Georg „Kleiner Bahnhof mit viel Geschichte“, Norddeutsche Neueste Nachrichten, 03.04.2017
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Rostock – Alter Güterbahnhof

Im Jahre 1847 kam die Eisenbahn nach Rostock und verband zunächst das mecklenburgische Bad Kleinen (damals noch ohne den Zusatz „Bad“) mit der Stadt Rostock. Für den Güterverkehr und den Rostocker Stadthafen war dies ein absoluter Segen – zumal der neu entstehende Bahnhof in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum und zum Stadthafen lag.

Für den einsetzenden Personenverkehr wurde der Friedrich-Franz-Bahnhof errichtet. Primär war jedoch der Bahnanschluss für den Güterverkehr konzipiert. So entstand nicht nur ein direkter Gleisanschluss zum Rostocker Stadthafen, der direkt durch die Grubenstraße geführt wurde, sondern auch ein Güterbahnhof mit Stückgutboden, Ladestraße, Bahnbetriebswerk nebst Lokschuppen und Drehscheibe.

Die Bedeutung für den Güterverkehr wuchs, je mehr sich das Eisenbahnnetz verdichtete.

1883 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Wismar und Rostock eröffnet, 1886 die Eisenbahnverbindung von Berlin über Neustrelitz nach Warnemünde fertig gestellt, die jedoch über den entfernteren Rostocker Lloydbahnhof (heute Rostock Hauptbahnhof) führte und erst über einen spezielles Verbindungsgleis an die Strecke angebunden werden musste.

1889 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen Rostock und Stralsund eröffnet, die wiederum im Friedrich-Franz-Bahnhof endete.

1894 wurde die Lloydbahn der Mecklenburgische Friedrich Franz Bahn angegliedert, was zur kuriosen Situation führte, das Rostock nunmehr zwei Bahnhöfe für den Personen- und den Güterverkehr derselben Eisenbahngesellschaft hatte. Der mecklenburgische Landtag hatte sich mit dieser Angelegenheit zu befassen und beschloss noch im selben Jahr, dass der Lloydbahnhof für den Personenverkehr zu nutzen sei, und der Friedrich Franz Bahnhof als Güterbahnhof fungieren soll.

1905 endete dann der Personenzugverkehr im Friedrich-Franz-Bahnhof; für die Eisenbahnstrecke nach Stralsund musste erst noch eine Brücke gebaut werden, damit eine durchgehende Verbindung zum Lloydbahnhof (der inzwischen zum Central-Bahnhof umbenannt wurde) hergestellt werden konnte.

Unmittelbar nach dem Ende des Personenverkehrs wurden die Bahnsteige beseitigt, und die Gleisanlagen komplett umgebaut – der Bahnhof wurde von da als reiner Güterbahnhof genutzt (und hieß dann auch nur noch Güterbahnhof)

In den 1920er Jahren erfolgte ein Umbau und eine Modernisierung des Güterbahnhofes; es wurden drei mechanische Stellwerke errichtet, von denen heute nur noch eines erhalten ist.

Durch die Flächenbombardements im zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof schwer beschädigt. Der Güterboden wurde Opfer von Sprengbomben, das Bahnhofsgebäude brannte völlig aus.

Nach dem Krieg wurden die Schäden zunächst notdürftig repariert und in den Folgejahren wurde der Stückgutumschlag für Rostocker Betriebe und das Umland hier abgewickelt. Für Zugbildungen wurde ein Ablaufberg errichtet.

Mit den Neubau des Rostocker Überseehafens, der 1957 begann, wurde über einen neuen Güterbahnhof nachgedacht, da der bisherige Standort einfach nicht genug Platz für eine Erweiterung bot.  Die Zugbildung für den Überseehafen erfolgte ohnehin nicht hier im alten Güterbahnhof, sondern in Bad Kleinen und Güstrow.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Güterbahnhofes Anfang der 1980er Jahre unmittelbar südlich des Überseehafens sanken sowohl die Bedeutung des Rostocker Stadthafens als auch die für den alten Güterbahnhof.

Nach 1989 brach ein großer Teil der bisherigen Warenströme von heute auf morgen weg – das hatte auch drastische Auswirkungen auf den Güterverkehr. Äußerlich sichtbar war, das auf dem Gelände des Güterbahnhofes eine Vielzahl leerer Güterwagen abgestellt und jahrelang nicht bewegt wurde. Mit dem Ende des Stadthafens  als Umschlagplatz war faktisch auch das Ende des alten Rostocker Güterbahnhofes besiegelt.

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2 Signale wurden aus unerfindlichen Gründen erhalten und stehen heute im nirgendwo…

1994 erfolgte ein halbherziger Versuch der Wiederbelebung des ehemaligen Güterbahnhofes als Personenbahnhof, der nun wieder als Friedrich-Franz-Bahnhof bezeichnet wurde. Da auf dem Bahnhof keine Bahnsteige mehr vorhanden waren, wurden diese provisorisch errichtet. In einem erfolgreichen Probebetrieb wurde der Bahnhof nunmehr von S-Bahnen angefahren – die Lage als innenstadtnaher S-Bahnhof war doch nicht so unattraktiv. Die Fahrgastzahlen waren vielversprechend und der politische Wille war zunächst vorhanden. Die Deutsche Bahn entschied sich letztlich jedoch dagegen – zu groß erschien der Investitionsbedarf in Gleise und Sicherungstechnik.

1994 wurde zunächst die Oberleitung abgeschaltet, 1997 wurden alle Loks und Waggons vom Gelände abgefahren; der Rückbau des Geländes begann. Zuerst wurden die bestehenden Verbindungsgleise in Richtung Rostock Hauptbahnhof (Westkurve) und an die Strecke nach Stralsund (Ostkurve) gekappt; dann erfolgte der Abbau der Oberleitungen. Ab 2002 wurde mit dem Abbau der Gleise begonnen und heute erinnert fast nichts mehr an den ehemaligen Güterbahnhof außer einige Straßennamen und einige wenige, ganz versteckte, Relikte.

 

Rostock – Poliklinik Salvador Allende

Ein großer verfallener Komplex, gebaut aus Betonplatten, fristete am östlichen Rand des Rostocker Stadtteils Lütten Klein ein trauriges Dasein. Gähnende Fensteröffnungen, Vandalismus und Graffities überall. Die Räume alle ausgeräumt. Sehr verwahrlost und heruntergekommen. Der Gebäudekomplex war nie besonders schön, sondern eher funktional angelegt: hier war die Poliklinik Salvador Allende.

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Auffahrt für Rettungswagen

Baubeginn auf dem eigentlich nicht tragfähigen Baugrund war 1969. Die erste Betonplatte wurde im November 1970 montiert. Bis zur Schlüsselübergabe und Eröffnung des medizinischen Komplexes dauerte es jedoch noch 3 Jahre. Am ehemaligen Tag des Gesundheitswesens (10. Dezember) war es dann soweit. Eine mit modernster Technik ausgestattete Poliklinik ging an den Start. Viele angestellte Fachärzte unter einem Dach in einem Haus. Eine eigene und fachübergreifende Röntgenabteilung befand sich genauso im Haus, wie ein zentrales Labor.

Eine zentrale Patientenakte, in der alle Untersuchungsergebnisse abgelegt waren, erleichterte die fachübergreifende Diagnostik und vermied unnötige Doppel-Untersuchungen.

Ab 1990 hatte das bewährte Konzept der Poliklinik ausgedient. Jeder Arzt musste nun selbständig tätig werden und alles selber organisieren. Es folgten Umbauarbeiten innerhalb des Gebäudes, da nun für jede Arztpraxis eigene Büroräume, eigene Patientenaufnahme- und Warteräume, eigene Untersuchungsräume usw. benötigt wurden.

1999 wurde das Gebäude verkauft – ein neues Gebäude sollte mittelfristig hier errichtet werden; doch der oft und lange angekündigte Neubau erfolgte nicht. Zumindest nicht an dieser Stelle. Überraschend wurde im Jahre 2006 an einer völlig anderen Stelle, ca. 500 m entfernt, das neue Gesundheits- und Dienstleistungszentrum errichtet. Allen Mietern der Allende-Klinik flatterte die Kündigung ins Haus – schließlich brauchte der Neubau ja neue Mieter…

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Wegweiser zu den Fachärzten

Die Salvador Allende Klinik stand schnell leer und mit dem Leerstand erfolgte der rasante Verfall. In solch einem Tempo, das es einem schwindelig wurde. Für den Abriss wollte sich niemand mehr zuständig fühlen; das Gelände war auch nur notdürftig gesichert… so kam es, wie es kommen musste. Völlige Plünderung des gesamten Komplexes in sehr kurzer Zeit, mehrfache Brandstiftungen und Vandalismus in erheblichem Ausmaß. In sehr, sehr kurzer Zeit wurde aus einem lost place eine verwahrloste Ruine. Diesem trostlosen Zustand machte der Abrissbagger Anfang 2018 ein endgültiges Ende. An sinnvoller Nachnutzung des Objektes hatte es ohnehin kein Interesse gegeben.

 

Quelle:
Gose, Elke „Rostock – Lütten Klein. Ein Stadtteil im Wandel der Zeit.“, Rostock, 2016

Rostock – Warnowkai Tanklager Bramow

Das heute völlig verwilderte Gelände mit einer verfallenden Kaikante bleibt vermutlich den meisten Menschen verborgen. Hier befand sich ein kleiner Kai für Tankschiffe, die das ehemalige Tanklager Bramow des VEB Minol versorgten.

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Nach 1989 wurde das Tanklager komplett zurück gebaut. Nur einige Öffnungen im Gelände deuten darauf hin, das hier einst Erdtanks vergraben waren.

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Obwohl hier nicht viel zu sehen ist, fühlt man sich nach dem Betreten des Geländes wie in der Szenerie eines Endzeitfilms. Durch Bäume und Dickicht ist man vor den Blicken von der Straße verborgen; verfallende Kopfsteinpflasterstraßen bilden eine Straßenmuster im nirgendwo. Ab und zu taucht eine Bordsteinkante aus dem Gras auf. Im Dickicht lauern Stolperfallen: die Öffnungen zu unterirdischen Leitungsschächten und Kavernen sind nur notdürftig – wenn überhaupt – abgedeckt. Sämtliche oberirdischen Bauten wurden abgerissen – was unter der Erdoberfläche schlummert, ist unbekannt. Gras und Gestrüpp wachsen hier mindestens kniehoch.

Die Kaikante wurde noch aus Holzpfählen errichtet – vermutlich sollte sie nur ein Provisorium sein und hat doch so lange überdauert.

Rostock – Messegelände Schutow

Immer im Juli fand von 1966 bis 1978 auf dem eigens dafür auf der grünen Wiese erbauten Messegelände in Rostock – Schutow für zwei Wochen ein Volksvergnügen der besonderen Art statt: die Ostseemesse.

Sie sollte als Leistungsschau der regionalen Wirtschaft als Schaufenster der DDR für die Ostsee-Anrainer-Staaten dienen und so zur internationalen Anerkennung der DDR beitragen.

Der Messerundgang begann am Haupteingang – hier wurde extra eine Bushaltestelle angelegt. Gleich daneben befand sich ein inzwischen abgerissenes Motel.

Die Messe war eine enorme Attraktion – täglich besuchten zwischen 11.000 und 27.000 Menschen die Messe. Auf dem recht weitläufigen Gelände konnten sich die Besucher stundenlang aufhalten. Neben den Produktpräsentationen in den verschiedenen Hallen konnte an zahlreichen Verkaufsständen alles rund um das Thema Freizeit (z.B. Campingzubehör, Bekleidung, Wassersportartikel) käuflich erworben werden.

Vom Haupteingang kommend, sieht man linksseitig einen markanten Bau in Form einer Hyparschale aus Spannbeton – eine Kreation des dafür berühmten Architekten Ulrich Müther. Dieses Schmuckstück war der Messe – Pavillon der erdölverarbeitenden Industrie.

Ostseemesse - Mütherbau

Ostseemesse – eine Hyparschale von Ulrich Müther – der ehemalige Pavillon der Erdölverarbeitenden Industrie

Gegenüber des Pavillons befand sich das Messe-Freigelände – ein großer Platz, von Springbrunnen eingerahmt, auf dem vielfältige Veranstaltungen statt fanden. Jeden Messetag gab es eine Fülle davon – Modellbau-Ausstellung, Filmvorführungen, Modenschauen, Auftritte diverser Künstler etc.

Zeitzeugen erinnern sich daran, das die Ostseemesse in puncto Warenversorgung ein absolutes „Highlight“ gewesen sein soll.

Nach einigen kleineren Flachbauten folgte links der Pavillon der Jagd- und Forstwirtschaften. Ein damals moderner Bau mit vorgesetzter Glasfront.

In unmittelbare Nähe befindet sich – sozusagen am Ende des Hauptweges – das sogenante Achteck-Haus. Das Achteckige Gebäude wurde (wie alle originären Gebäude auf dem Gelände) extra für die Ostseemesse „aus dem Boden gestampft“.

Ostseemesse - Achteck-Haus

Das Achtecke-Haus der Ostseemesse – gut zu sehen die Freitreppe zur Dachterrasse des Restaurants

Unmittelbar neben dem ehemaligen Nordeingang der Ostseemesse gelegen, wurde es als repräsentatives Messe – Restaurant genutzt. Der seitliche Anbau kam erst viel später dazu und beherbergte eine Kegelbahn.

Ein (als Fisch-Restaurant genutzter) Fischkutter stand seit 1973 lange Zeit neben dem Gebäude, ist aber seit vielen Jahren verschwunden.

Nach 1989 verfiel ein Teil des umliegenden Geländes, wobei das Achteck-Haus selbst (neben Phasen des Leerstandes) einige Phasen der Nachnutzung durch Einzelhändler erlebte und so dem Verfall entging.

Dem Hauptweg folgend und am Achteckhaus vorbei kommt man zum ehemaligen Nebeneingang Messe-Nord.

Ostseemesse - Nordeingang

Der kleine Nebeneingang Messe-Nord

Hinter dem alten Nordeingang muss einmal eine kleine Versorgungsstraße verlaufen sein – heute kaum noch zu erkennen… dafür ein schönes Fotomotiv.

Einmal um das Achteck-Haus herumgelaufen und unterwegs etwas lost-place-Romantik aufgesogen…

Zurück auf dem Hauptweg und an der Nordseite des Freigeländes fällt der Blick auf die völlig verfallenen Gebäude, die die Ostseite des Freigeländes ausmachten. Eine große Messehalle, halb verfallen, von viel grün umgeben; gefolgt von einigen Flachbauten, von denen einer einen markanten Giebel in Ziegeloptik hat: hier befand sich eine sehr populäre Eisdiele.

Gegenüber der verfallenden Messehalle – an der Nord-Ost-Ecke des Geländes befinden sich die Überreste des ehemaligen Heizkraftwerkes – der Schornstein ist einer der wenigen noch erhaltenen Schornsteine im Stadtbild von Rostock.

Der etwas versteckte Ort wird häufig von Graffiti – Künstlern besucht. Inzwischen durch den zunehmenden Verfall des Geländes nicht ganz ungefährlich.

Im großen Bogen an der Außenkante des Geländes zurück in Richtung Haupteingang – dieser Weg war für den öffentlichen Besucherverkehr sicher nicht zugänglich. Hier hinten war nicht nur die Versorgungszufahrt für das Heizkraftwerk und die Messehallen, hier befand sich auch ein kleines Klärwerk.

Auch dieser Bereich ist nicht ganz ungefährlich, da der gesamte Bereich des Klärteiches nicht ansatzweise gesichert ist – unvorstellbar, da in unmittelbarer Nähe ein Baumarkt und ein Möbelmarkt auch Familien mit Kindern anziehen.

1977 wurde beschlossen die Ostseewoche und damit auch die Ostseemesse ab 1978 nicht mehr durchzuführen., da die politische Führung der DDR meinte die politischen Ziele (insbesondere die internationale Anerkennung der DDR) sind erfüllt.

Danach wurden einige Hallen zu Verkaufseinrichtungen umfunktioniert. Große Teile des Freigeländes und einige große Hallen wurden als Abstellplatz und Werkstätten für Busse und LKWs genutzt. Andere Hallen dienten als Lagerfläche u.a. für Getreide.

Ein eingeschränkter Messebetrieb fand noch statt für die „Messe der Meister von Morgen“. Diese fand in einem Teil der Halle statt, die heute für einen Möbel-Markt genutzt wird sowie in der heute als Autohaus genutzten Hyparschale. Nach 1989 stand das Gelände völlig leer – inzwischen wird versucht, das gesamte Areal nach und nach wieder zu beleben.

Noch bieten sich genügend lost place- Flair und spannende Motive für die Kamera.

 

 

Rostock – Brauerei Voss

Die kleine Brauerei ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Hinterhof-Brauerei. Die Ursprünge der Brauerei im Hinterhof-Karree der Rostocker Wollenweberstraße / Altschmiedestraße reichen bis ins Jahr 1619 zurück. Damals braute man Bier hauptsächlich für die nahe gelegene Nikolaikirche.

1858 wurde auf dem Areal die Dampf- Bierbrauerei und Malzfabrik der Kaufmannsfamilie Voss gegründet, die das Unternehmen schrittweise erweiterte.

1895 übernehmen Theodor und Ludwig Voss die Geschäfte. Durch den hohen Konkurrenzdruck im Brauereigeschäft konzentriert man sich auf die Herstellung von Weißbier, Malzbier und Karamell.

Der 30 m hohe Schornstein neben dem Sudhaus stammt aus dem dem Jahr 1916 und ist heute einer der wenigen noch erhaltenen Schornsteine im Rostocker Stadtgebiet.

1922 wurde die Voss´sche Brauerei (so eine andere Schreibweise) von der Rostocker Brauerei Mahn & Ohlerich übernommen, die die Gebäude aber bald darauf wieder an den Kaufmann Scholten verkauft. Der Brauereibetrieb wurde eingestellt und die Gebäude als Lagerhaus und als Verkaufsraum für Keramik genutzt.

1930 kam es im Areal zu einem schweren Brand. Beim Wiederaufbau wurden einige Gebäudeteile abgerissen und es erfolgten einige Anbauten im Hinterhof.

Zwischen 1945 und 1989 wurde das Gelände als Lager für die staatliche Handelsorganisation genutzt. Danach stand das gesamte Areal bis 2007 leer; das ehemalige Sudhaus wurde inzwischen zu einer Wohnung umgebaut.

Rostock – Munitionsausgabestelle 20/XI

Gut versteckt kann man sie noch sehen: die Munitionslagerbunker der ehemaligen Munitionsausgabestelle 20/XI in Rostock – Baujahr um 1934.

Die Nomenklatur verrät: es war das 20. Bauwerk im Luftgau XI.

Typisch sind die vier Ecktürme des Bunkerbauwerkes, das ebenerdig errichtet und anschließend mit Erde überdeckt wurde.

HRO - 20-XI - Titel

Munitionslager 20/XI – charakteristisch sind die 4 Kamine, die gut zu erkennen sind.

Vermutlich handelt es sich entweder um den Bau-Typ H2b oder H2c (genau könnte man das sagen, wenn man die Deckenkonstruktion in Augenschein nehmen könnte).

Bei einer genormten Grundfläche von 18,8 m x 10,8 m hat das Bauwerk eine nutzbare Grundfläche von 202 Quadratmetern. Hier wurden bis zu 60 t Munition gelagert.

Nach 1945 wurde der Bunker und das umliegende Gelände von der NVA weiter genutzt und umgebaut – eine Fuhrpark-Tankstelle kam noch hinzu.

Nach 1989 kam das Gelände in den Besitz der Hansestadt Rostock und wird als Lagerraum genutzt.