Rostock – Warnowkai Tanklager Bramow

Das heute völlig verwilderte Gelände mit einer verfallenden Kaikante bleibt vermutlich den meisten Menschen verborgen. Hier befand sich ein kleiner Kai für Tankschiffe, die das ehemalige Tanklager Bramow des VEB Minol versorgten.

Warnowkai - Tanklager Bramow 2

Nach 1989 wurde das Tanklager komplett zurück gebaut. Nur einige Öffnungen im Gelände deuten darauf hin, das hier einst Erdtanks vergraben waren.

Tanklager Bramow 1

Obwohl hier nicht viel zu sehen ist, fühlt man sich nach dem Betreten des Geländes wie in der Szenerie eines Endzeitfilms. Durch Bäume und Dickicht ist man vor den Blicken von der Straße verborgen; verfallende Kopfsteinpflasterstraßen bilden eine Straßenmuster im nirgendwo. Ab und zu taucht eine Bordsteinkante aus dem Gras auf. Im Dickicht lauern Stolperfallen: die Öffnungen zu unterirdischen Leitungsschächten und Kavernen sind nur notdürftig – wenn überhaupt – abgedeckt. Sämtliche oberirdischen Bauten wurden abgerissen – was unter der Erdoberfläche schlummert, ist unbekannt. Gras und Gestrüpp wachsen hier mindestens kniehoch.

Die Kaikante wurde noch aus Holzpfählen errichtet – vermutlich sollte sie nur ein Provisorium sein und hat doch so lange überdauert.

Werbeanzeigen

Rostock – Messegelände Schutow

Immer im Juli fand von 1966 bis 1978 auf dem eigens dafür auf der grünen Wiese erbauten Messegelände in Rostock – Schutow für zwei Wochen ein Volksvergnügen der besonderen Art statt: die Ostseemesse.

Sie sollte als Leistungsschau der regionalen Wirtschaft als Schaufenster der DDR für die Ostsee-Anrainer-Staaten dienen und so zur internationalen Anerkennung der DDR beitragen.

Der Messerundgang begann am Haupteingang – hier wurde extra eine Bushaltestelle angelegt. Gleich daneben befand sich ein inzwischen abgerissenes Motel.

Die Messe war eine enorme Attraktion – täglich besuchten zwischen 11.000 und 27.000 Menschen die Messe. Auf dem recht weitläufigen Gelände konnten sich die Besucher stundenlang aufhalten. Neben den Produktpräsentationen in den verschiedenen Hallen konnte an zahlreichen Verkaufsständen alles rund um das Thema Freizeit (z.B. Campingzubehör, Bekleidung, Wassersportartikel) käuflich erworben werden.

Vom Haupteingang kommend, sieht man linksseitig einen markanten Bau in Form einer Hyparschale aus Spannbeton – eine Kreation des dafür berühmten Architekten Ulrich Müther. Dieses Schmuckstück war der Messe – Pavillon der erdölverarbeitenden Industrie.

Ostseemesse - Mütherbau

Ostseemesse – eine Hyparschale von Ulrich Müther – der ehemalige Pavillon der Erdölverarbeitenden Industrie

Gegenüber des Pavillons befand sich das Messe-Freigelände – ein großer Platz, von Springbrunnen eingerahmt, auf dem vielfältige Veranstaltungen statt fanden. Jeden Messetag gab es eine Fülle davon – Modellbau-Ausstellung, Filmvorführungen, Modenschauen, Auftritte diverser Künstler etc.

Zeitzeugen erinnern sich daran, das die Ostseemesse in puncto Warenversorgung ein absolutes „Highlight“ gewesen sein soll.

Nach einigen kleineren Flachbauten folgte links der Pavillon der Jagd- und Forstwirtschaften. Ein damals moderner Bau mit vorgesetzter Glasfront.

In unmittelbare Nähe befindet sich – sozusagen am Ende des Hauptweges – das sogenante Achteck-Haus. Das Achteckige Gebäude wurde (wie alle originären Gebäude auf dem Gelände) extra für die Ostseemesse „aus dem Boden gestampft“.

Ostseemesse - Achteck-Haus

Das Achtecke-Haus der Ostseemesse – gut zu sehen die Freitreppe zur Dachterrasse des Restaurants

Unmittelbar neben dem ehemaligen Nordeingang der Ostseemesse gelegen, wurde es als repräsentatives Messe – Restaurant genutzt. Der seitliche Anbau kam erst viel später dazu und beherbergte eine Kegelbahn.

Ein (als Fisch-Restaurant genutzter) Fischkutter stand seit 1973 lange Zeit neben dem Gebäude, ist aber seit vielen Jahren verschwunden.

Nach 1989 verfiel ein Teil des umliegenden Geländes, wobei das Achteck-Haus selbst (neben Phasen des Leerstandes) einige Phasen der Nachnutzung durch Einzelhändler erlebte und so dem Verfall entging.

Dem Hauptweg folgend und am Achteckhaus vorbei kommt man zum ehemaligen Nebeneingang Messe-Nord.

Ostseemesse - Nordeingang

Der kleine Nebeneingang Messe-Nord

Hinter dem alten Nordeingang muss einmal eine kleine Versorgungsstraße verlaufen sein – heute kaum noch zu erkennen… dafür ein schönes Fotomotiv.

Einmal um das Achteck-Haus herumgelaufen und unterwegs etwas lost-place-Romantik aufgesogen…

Zurück auf dem Hauptweg und an der Nordseite des Freigeländes fällt der Blick auf die völlig verfallenen Gebäude, die die Ostseite des Freigeländes ausmachten. Eine große Messehalle, halb verfallen, von viel grün umgeben; gefolgt von einigen Flachbauten, von denen einer einen markanten Giebel in Ziegeloptik hat: hier befand sich eine sehr populäre Eisdiele.

Gegenüber der verfallenden Messehalle – an der Nord-Ost-Ecke des Geländes befinden sich die Überreste des ehemaligen Heizkraftwerkes – der Schornstein ist einer der wenigen noch erhaltenen Schornsteine im Stadtbild von Rostock.

Der etwas versteckte Ort wird häufig von Graffiti – Künstlern besucht. Inzwischen durch den zunehmenden Verfall des Geländes nicht ganz ungefährlich.

Im großen Bogen an der Außenkante des Geländes zurück in Richtung Haupteingang – dieser Weg war für den öffentlichen Besucherverkehr sicher nicht zugänglich. Hier hinten war nicht nur die Versorgungszufahrt für das Heizkraftwerk und die Messehallen, hier befand sich auch ein kleines Klärwerk.

Auch dieser Bereich ist nicht ganz ungefährlich, da der gesamte Bereich des Klärteiches nicht ansatzweise gesichert ist – unvorstellbar, da in unmittelbarer Nähe ein Baumarkt und ein Möbelmarkt auch Familien mit Kindern anziehen.

1977 wurde beschlossen die Ostseewoche und damit auch die Ostseemesse ab 1978 nicht mehr durchzuführen., da die politische Führung der DDR meinte die politischen Ziele (insbesondere die internationale Anerkennung der DDR) sind erfüllt.

Danach wurden einige Hallen zu Verkaufseinrichtungen umfunktioniert. Große Teile des Freigeländes und einige große Hallen wurden als Abstellplatz und Werkstätten für Busse und LKWs genutzt. Andere Hallen dienten als Lagerfläche u.a. für Getreide.

Ein eingeschränkter Messebetrieb fand noch statt für die „Messe der Meister von Morgen“. Diese fand in einem Teil der Halle statt, die heute für einen Möbel-Markt genutzt wird sowie in der heute als Autohaus genutzten Hyparschale. Nach 1989 stand das Gelände völlig leer – inzwischen wird versucht, das gesamte Areal nach und nach wieder zu beleben.

Noch bieten sich genügend lost place- Flair und spannende Motive für die Kamera.

 

 

Rostock – Heinkelwerke – Standort Bleicherstraße

Im Jahre 1931 erhielt Erich Heinkel die Kündigung für seine angemieteten Hallen in Warnemünde vom zuständigen Reichskommissariat – der Warnemünder Standort befand sich auf dem Gelände des Seeflugzeug – Versuchskommandos, also einer militärischen Einrichtung.

Als Notlösung zogen die Heinkelwerke daraufhin in die Rostocker Bleicherstraße. Es war ein recht überschaubares Gelände und hatte keine Erweiterungsmöglichkeiten, bot jedoch durch die unmittelbare Nähe zum Güterbahnhof zumindest unter logistischen Aspekten gute Voraussezungen.

HRO - Heinkelwerke Bleicherstraße Werkhalle

Reste einer Werkhalle der Heinkelwerke in der Bleicherstraße

Zu diesem Zeitpunkt baute Heinkel verschiedene Flugzeugtypen für das Reichswehrministerium und Postflugzeuge. 1932 erhielten die Heinkelwerke den Auftrag zur Entwicklung und zum Bau eines Schnellflugzeuges für die Lufthansa.

1933 kündigte sich hoher Besuch bei Ernst Heinkel in der Bleicherstraße an: der Chef das noch geheimem Luftwaffenverwaltungsamtes und späterer Generalfeldmarschall Albert Kesselring. Er regte an, ein neues Werk bei Rostock für ca. 3.000 Arbeiter zu errichten; im Gegenzug garantierte er hohe Abnahmepreise für die Flugzeuge. Der kleine Standort in der Bleicherstraße ließ keine Massenproduktion zu – für die Rüstung sollte und musste in größeren Maßstäben gedacht werden; so begannen die Planungen für einen riesigen Produktionsstandort „auf der grünen Wiese“.

HRO - Heinkelwerke Bleicherstraße - Bürogebäude

Heute schwer vorstellbar, das bis 1935 vermutlich hier die Besucher der Heinkelwerke empfangen wurden…

Nachdem in Marienehe der neue Stammsitz des Unternehmens aufgebaut war, wurde der Standort in der Bleicherstraße nicht aufgegeben, sonder weiter genutzt – die Produktion in Marienehe war durch die Rüstungsaufträge voll ausgelastet. Hier in der Bleicherstraße konnte an neuen Entwicklungen und an Einzelstücken und Einzelteilen gearbeitet und probiert werden

Nach 1945 wurde auch hier alles demontiert und ausgebaut, was nicht niet- und nagelfest war und in die Sowjetunion abtransportiert. Von einer Sprengung hat man vermutlich aufgrund der Nähe zum Güterbahnhof und zu den damaligen Städtischen Werken abgesehen.

 

Die Abteilung Spedition des VEB Kraftverkehr Ostseetrans fand hier ab 1949 sein Domizil; das Gelände wurde teilweise umgestaltet – einige Produktionshallen wurden abgerissen, dafür wurde ein Garagenkomplex errichtet. Ab 1990 stand das Gelände leer – nun rollen auch hier die Abrißbagger, unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Zwickau – Haus der DSF

Zwickau – Max-Pechstein Straße 31, Ecke Moritzstraße. Hier an prominenter Stelle in der Nordvorstadt und an der ehemaligen Landstraße Richtung Leipzig wurde schon 1546 ein Gasthof erwähnt. 1937 wurde die Zwickauer Aktienbrauerei neuer Eigentümer und führte den ehemaligen Gasthof Goldener Becher unter dem Namen Mauritiushof weiter.

Am 8. Mai 1949 (ehemals „Tag der Befreiung“ in der DDR) wurde das Haus der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF) gegründet. Das Restaurant im Gebäude wurde weiter genutzt und bis 1990 betrieben. Mit dem Ende der DDR kam auch das Ende der staatlichen Organisation der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft.

Folgerichtig steht das Gebäude seit 1993 leer. Es steht zwar unter Denkmalschutz, soll aber dennoch abgerissen werden, sofern sich ein Investor findet. Ideen für mögliche Nachnutzungen gab es einige:  unter anderem war zunächst ein Kino geplant, später eine Jugendherberge. Diese Ideen wurden jedoch nicht umgesetzt. Unter aktivem Denkmalschutz verstehe ich etwas anderes.

Z-Haus der DSF 01

Zwickau – Villa Falck

Zwickau, Äußere-Schneeberger-Straße 35. Hier, in der Südstadt der westsächsischen Perle Zwickau, befindet sich ein innerstädtischer Lost Place, der seit vielen Jahren als Spekulationsobjekt dient: die Villa des Steinkohlenbergwerksbesitzers Carl Gottlieb Falck.

Sie zählt zu den schönsten Fabrikantenvillen der Stadt.

Erbaut wurde sie im Jahre 1876 und war der Wohnsitz der Familie Falck. Das Bauwerk besticht von außen durch eine aufwändig gestaltete Putzfassade mit auffälligen Gestaltungselementen, zum Beispiel die markante Giebelverdachung der Fenster, waagerecht im Erdgeschoss, dreieckig im ersten Stock; die Fensteröffnungen sind von Säulen flankiert.

Zwickau - Villa Falck 02

Der noch heute sichtbar nicht zum Ensemble passende Ausbau des Dachgeschosses erfolgte 1948 durch den damaligen Eigentümer (die „Verwaltung der Kohlenindustrie in Sachsen“). Später, in der DDR-Zeit, wurde das Gebäude als Teil der Stadtverwaltung genutzt. Seit 1990 steht das Gebäude leer und wurde notdürftig gesichert.

An der Nordseite des Gebäudes befindet sich der originale Eingangsvorbau mit zweiflügliger Hauseingangstür. In der Dreieckgiebelverdachung erkennt man noch die Jahreszahl 1875, flankiert von zwei Greifen.

Zwickau - Villa Falck 03

Von der noch vorhandenen Terrasse führte eine geschwungene Treppe einst in den Garten des Hauses.

Zwickau - Villa Falck 11

Im noch erhaltenen winkelförmigen Hinterhaus fand sich Platz für Ställe, Wagen-Remisen, Gesindewohnung, Kutscherstube, Küche und Waschküche. Zu DDR-Zeiten befand sich hier eine kleine Fahrradwerkstatt.