Zwickau – Haus der DSF

Zwickau – Max-Pechstein Straße 31, Ecke Moritzstraße. Hier an prominenter Stelle in der Nordvorstadt und an der ehemaligen Landstraße Richtung Leipzig wurde schon 1546 ein Gasthof erwähnt. 1937 wurde die Zwickauer Aktienbrauerei neuer Eigentümer und führte den ehemaligen Gasthof Goldener Becher unter dem Namen Mauritiushof weiter.

Am 8. Mai 1949 (ehemals „Tag der Befreiung“ in der DDR) wurde das Haus der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF) gegründet. Das Restaurant im Gebäude wurde weiter genutzt und bis 1990 betrieben. Mit dem Ende der DDR kam auch das Ende der staatlichen Organisation der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft.

Folgerichtig steht das Gebäude seit 1993 leer. Es steht zwar unter Denkmalschutz, soll aber dennoch abgerissen werden, sofern sich ein Investor findet. Ideen für mögliche Nachnutzungen gab es einige:  unter anderem war zunächst ein Kino geplant, später eine Jugendherberge. Diese Ideen wurden jedoch nicht umgesetzt. Unter aktivem Denkmalschutz verstehe ich etwas anderes.

Z-Haus der DSF 01

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Zwickau – Villa Falck

Zwickau, Äußere-Schneeberger-Straße 35. Hier, in der Südstadt der westsächsischen Perle Zwickau, befindet sich ein innerstädtischer Lost Place, der seit vielen Jahren als Spekulationsobjekt dient: die Villa des Steinkohlenbergwerksbesitzers Carl Gottlieb Falck.

Sie zählt zu den schönsten Fabrikantenvillen der Stadt.

Erbaut wurde sie im Jahre 1876 und war der Wohnsitz der Familie Falck. Das Bauwerk besticht von außen durch eine aufwändig gestaltete Putzfassade mit auffälligen Gestaltungselementen, zum Beispiel die markante Giebelverdachung der Fenster, waagerecht im Erdgeschoss, dreieckig im ersten Stock; die Fensteröffnungen sind von Säulen flankiert.

Zwickau - Villa Falck 02

Der noch heute sichtbar nicht zum Ensemble passende Ausbau des Dachgeschosses erfolgte 1948 durch den damaligen Eigentümer (die „Verwaltung der Kohlenindustrie in Sachsen“). Später, in der DDR-Zeit, wurde das Gebäude als Teil der Stadtverwaltung genutzt. Seit 1990 steht das Gebäude leer und wurde notdürftig gesichert.

An der Nordseite des Gebäudes befindet sich der originale Eingangsvorbau mit zweiflügliger Hauseingangstür. In der Dreieckgiebelverdachung erkennt man noch die Jahreszahl 1875, flankiert von zwei Greifen.

Zwickau - Villa Falck 03

Von der noch vorhandenen Terrasse führte eine geschwungene Treppe einst in den Garten des Hauses.

Zwickau - Villa Falck 11

Im noch erhaltenen winkelförmigen Hinterhaus fand sich Platz für Ställe, Wagen-Remisen, Gesindewohnung, Kutscherstube, Küche und Waschküche. Zu DDR-Zeiten befand sich hier eine kleine Fahrradwerkstatt.

 

Über die Faszination des Verfalls

Hervorgehoben

„Lost Places“…. welche Magie geht von diesen Worten aus?! Welcher Reiz, welche Lust nach morbidem Charme, nach der Faszination im Verfall und der Herrlichkeit der vergessenen Orte im Dornröschenschlaf, welches Staunen ob manchmal wundervoller technischer und baulicher Meisterwerke oder Hinterlassenschaften.

Wer es gänzlich unprosaisch mag: „abandoned premises“ wäre hier der terminus technicus der Wahl. Dies klingt nun etwas weniger zauberhaft, mehr nach Ruine. Deshalb meine Bitte an alle Verfallsfaszinierten: Achtet und respektiert diese Orte, denn nur zu schnell werden aus zauberhaft verzauberten Orten Ruinen, und nicht jede Ruine ist auch ein lost place.

„Take nothing, but pictures – Leave nothing, but footprints!“

Ich bin oft gefragt worden: wo findet man solche Orte? Versucht bin ich, zu antworten: überall. Tatsächlich registrieren meine Sinne recht häufig und oft unvermittelt solche Orte, meist kleinere, aber auch größere. Was man in Wald, Berg, Feld, Stadt und Dorf, ober- oder unterirdisch entdecken kann, ist so vielfältig, wie die Abfolge von Ereignissen, die diese Hinterlassenschaften hervorbrachten:

Verlassene Liegenschaften vieler Armeen in allen denkbaren Ausprägungen… da viele dieser Liegenschaften eine lange Tradition haben und hatten gibt es hier nicht nur neue und alte Bunker, sondern auch viele verschiedene Baustile von „Profanbauten“, mitunter kleine architektonische Schätzchen oder  „Kunstwerke“ in Form von Wandbildern oder Statuen oder, oder …

bunker titel

Oft faszinierend schöne Gebäude aus allen Epochen seit der Industriellen Revolution entdeckt man in der sogenannten „Industriekultur“. Manche Orte stellen eine wahre Schatzkiste dar und hätten es verdient, erhalten zu werden. Nur selten ist das gelungen, noch seltener gut gelungen. Oft war der Bagger schneller, manches ist jedoch noch zu sehen… Das führte mich schon manches Mal zu der Frage: Bin ich ein Industriekult(o)urist?

Verkehrstechnische Hinterlassenschaften bilden einen weiteren Schwerpunkt – insbesondere Relikte aus der gesamten Bahngeschichte, die oft vom Aufschwung und vom Niedergang ganzer Regionen künden.

#titel bahnanlagen

Viele geschichtsträchtige Orte, die es verdient hätten, erhalten zu werden, wurden oft sang und klanglos abgerissen — DAS finde ich eine Schande… so darf man mit Geschichte nicht umgehen – wo bleibt da, wenn schon nicht der Denkmalschutz greift, der Schutz unserer geschichtlichen Identität?

Eine Bitte zum Schluss (sozusagen als Appell an den eigenen Verstand für alle, die das einzigartige Flair dieser Orte und den Adrenalinrausch erleben wollen, den Besuche dieser Orte auslösen können): Bei aller Faszination — den klaren Kopf  NIEMALS ausschalten, denn alle diese Orte sind gefährlich, manche sogar richtig, richtig lebensgefährlich. NIEMALS allein solche Orte besuchen! Wisst immer, was Ihr tut!