Bad Doberan – Altes Moorbad

Ein inzwischen unscheinbarer und von viel grün umwucherter Lost Place befindet sich an einer der Hauptstraßen des kleinen Städtchens Bad Doberan: das alte Moorbad.

Als man 1821 eine Eisenquelle in Doberan entdeckte, wurde diese schnell für medizinische Bade- und Kuranwendungen genutzt. Was zunächst in einem kleinen Badehaus mit vier Badewannen begann, entwickelte sich schnell zu einem bekannten und angesehenen Kurhaus. Bis 1823 entstand ein neoklassizistisches Gebäude, das nunmehr als Stahlbad bezeichnet wurde. Hier kamen eisenhaltige Bäder, Schwefeldampfbäder, Fußbäder und Wasserduschen zur Anwendung.

Das ursprünglich eingeschossige Gebäude erhielt 1902 eine zweite Etage, 1904 ein kleines Heizhaus für beheizbare Bäder – der kleine Schornstein steht noch heute.

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Ab den 1920er Jahren firmiert die Kureinrichtung unter dem Namen Stahl- und Eisenmoorbad und wurde von der Allgemeinen Berliner Ortskrankenkasse betrieben!

Ab  1939 wurde das Gebäude als Truppenunterkunft zweckentfremdet, ab 1943 wurde es dann hauptsächlich als Lazarett genutzt.

Im Mai 1945 zogen „die Russen“ ein und blieben bis Ende 1945. Danach wurde das Gebäude zunächst als Unterkunft für Kriegsflüchtlinge und Opfer der Vertreibung genutzt. Ab 1948 erfolgte eine Rekonstruktion des Gebäudekomplexes und wurde 1954 unter dem Namen Sanatorium Eisenmoorbad als Kureinrichtung wieder eröffnet – nunmehr unter der Regie des FDGB der DDR.

Inzwischen war jedoch die Eisenquelle versiegt, und es wurde vorrangig Meerwasser für die Badeanwendungen genutzt. Deshalb hieß das Gebäude dann ab 1964 nur noch Moorbad. Ein kleiner Erweiterungsbau, das sogenannte Abschwitzhaus, wurde noch zu DDR-Zeiten errichtet. Die damalige Billigbauweise war eher zweckorientiert, als formschön und hat nicht dazu beigetragen, das Ensemble aufzuwerten.

Das Moorbad überstand zunächst die turbulente Zeit nach 1989. Als jedoch 1996 ein neues Moorbad durch einen großen Klinikbetreiber ca. 800m entfernt errichtet wurde, kam das aus für das nunmehrige alte Moorbad. Seit dem steht das Gebäude leer und dient als Spekulationsobjekt verschiedener Eigentümer. 2006 brannte das Haupthaus, das Dach stürzte ein. Ein Teil des Giebels wurde wegen Einsturzgefahr inzwischen abgetragen.

Nach mehr als 20 Jahren Leerstand hat sich die Natur einen großen Teil des Geländes zurückgeholt. Bei einem Gang über das Gelände kommt man sich vor, wie in einer Szene aus einem Film. Dichtes grün überall, die Gebäude zugewuchert und kaum zu erkennen. Eine Laterne ziert die Reste der ehemaligen Zufahrtsstraße, eine vergessene Blumenrabatte im Beton-Stil der 1970er DDR-Jahre steht vergessen mitten im Wald. Gespenstisch.

 

Quelle:
Levien, Anja „Das alte Moorbad: Blick in die Geschichte der ersten Kureinrichtung Bad Doberans“, Ostsee-Zeitung, 08.02.2017

 

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