Brand – Luftschiff- Werft

Mitten in den brandenburgischen Kiefernwäldern, etwa 60 Kilometer südöstlich von Berlin, starb der Traum eines deutschen Groß-Luftschiff – Revivals.

Cargolifter – dieses Wort beflügelte eine kurze Zeit die Fantasie, nicht nur von Investoren. Viele träumten von einem neuen Zeitalter der Luftschifffahrt, das genau hier beginnen sollte: im Briesener Ortsteil Brand, Bundesland Brandenburg (die Alliteration ist vermutlich nicht gewollt gewesen), auf dem Gelände eines ehemaligen Flugplatzes der GSSD.

Der Traum von der Entwicklung eines deutschen Lastenluftschiffes währte nur kurz, von 1996 bis 2002. Dann waren satte 300 Millionen Euro Investorengelder verbrannt und geschätzte 150 Millionen Euro der Steuerzahler noch mit dazu. Nach steilem Aufstieg und damit verbundener Hybris folgte der freie Fall.

1996 als Cargolifter AG gegründet, mit dem Ziel ein Lastenluftschiff (den CL 160) für eine Nutzlast von bis zu 160 t zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Zwischengrößen waren nicht vorgesehen; man wollte „das ganz große Ding“ vom Reißbrett aus konzipieren – sozusagen aus dem Stand von Null auf Einhundertsechzig.

Ein kleines Luftschiff – „Joey“ genannt – konnte 1999 im Maßstab 1:8 vom geplanten CL 160 gebaut werden und sollte vorrangig dem Testen der aerodynamischen Eigenschaften und der Pilotenausbildung dienen sowie als „Vorzeigeobjekt“ (um potenzielle Kapitalgeber zu beeindrucken).  „Joey“ kam immerhin auf 14 dokumentierte Flüge.

Anfang 2000 erfolgte der Börsengang der Cargolifter AG und schon Ende des gleichen Jahres erfolgte die Aufnahme in den MDAX (sehr beachtlich für ein Unternehmen, das praktisch keine Umsätze erzielte).

Im Jahr 2000 wurde die riesige Luftschiff – Werfthalle fertig gestellt: 360 m lang, mehr als 100 m hoch – die größte freitragende Halle der Welt. Von 75 Millionen Euro Baukosten bezahlte der deutsche Steuerzahler 39,4 Millionen Euro. Zwei Luftschiffe sollten hier gleichzeitig montiert werden – so die Konzeption.

Brand - Cargolifter Werfthalle

Briesen/Brand – die ehemalige Cargolifter – Luftschiffwerft im Größenvergleich zu den russischen Bogendeckungen… ein Luftschiff ist hier nie gebaut worden.

In der Realität wurde hier nie ein Luftschiff gebaut.

Selbst der Lastenballon CL75 AirCrane wurde hier im Jahre 2001 „nur“ montiert. Der 61m große und mit Helium gefüllte Ballon hatte seinen Ankerpunkt an der Zufahrtsstraße in der Nähe des Cargolifter-Besucherzentrums. Reste der Verankerungskonstruktion sind noch erhalten – der AirCrane selbst ging am am 10. Juli 2002 bei einem schweren Sturm verloren.

 

Die Cargolifter AG meldete Mitte 2002 Insolvenz an. Im Zuge des Insolvenzverfahrens wurde das einzig flugfähige Luftschiff (der „Joey“) für sagenhafte 13.500 Euro versteigert. Im Jahre 2004 wurde die Werfthalle an einen malaysischen Investor verkauft, der hier seit Dezember 2004 ein tropisches Badeparadies betreibt. Der Verkaufspreis für die Werfthalle betrug 17,5 Millionen Euro, ein Schnäppchen im Vergleich zu den eigentlichen Baukosten.

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