Rostock – Staatsbank der DDR

Ein mächtiger Monumentalbau direkt an einer Rostocker Hauptstraße demonstriert schon durch die bloße Architektur: hier geht es um Macht, und hier ist eine Machtzentrale. Rostock, Friedrich – Engels – Platz.

HRO - Staatsbank DDR 06

„Festung“ Staatsbank der DDR

Kann es eine ironischere Adresse geben für den Sitz der Staatsbank der DDR – Bezirksdirektion Rostock? Friedrich Engels, der Fabrikant und „Erzkapitalist“, der dem Kommunisten Karl Marx finanziell aushalten musste?

Im Finanzsystem der DDR nahm die Staatsbank die führende Rolle ein. Staatsbank der DDR hieß sie offiziell seit 1967; davor firmierte sie unter dem Namen Deutsche Notenbank. Sie hatte Direktionen in allen Bezirken.

Hier wurden die Grundsätze für den Zahlungsverkehr, für den Kreditverkehr und den Verrechnungsverkehr der ihr unterstellten Banken festgelegt. Die Staatsbank besaß umfangreiche Weisungsbefugnisse und Kontrollrechte. Die Staatsbank agierte jedoch nicht autonom, sondern war selbst an politische Weisungen der Volkskammer und des Staatsrates der DDR gebunden.

Für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit dem Ausland im Zusammenhang mit Importen, Exporten und Transitverkehr war im Auftrag der Deutschen Staatsbank seit 1966 die Deutsche Außenhandelsbank AG zuständig (die der Staatsbank untergeordnet war). Rostock, als Tor zur weiten Welt, wickelte mit dem Überseehafen und dem Fährverkehr umfangreichen Zahlungsverkehr mit dem Ausland ab, weshalb die Außenhandelsbank hier ebenso ihren Sitz hatte – groß genug war das Gebäude ja.

Da in der DDR niemand Privateigentum an einer Bank haben durfte und nur der Staat das alleinige Recht zur Ausübung von Bankgeschäften hatte, waren alle Banken Staatseigentum und damit Bestandteil des staatlichen Machtapparates. Das spiegelt sich deutlich in der Architektur des Gebäudes wieder.

1990 wurde die Staatsbank der DDR abgewickelt. In das Haus am Friedrich – Engels-Platz zog die Landeszentralbank der Bundesrepublik Deutschland ein. Nach deren Auszug (ob hier die Adresse eine Rolle spielte???)  wurde das Gebäude umfunktioniert zum Sitz des Kriminaldauerdienstes. Da das Haus doch zu alt und sanierungsbedürftig war, wurde es frei gezogen und steht inzwischen leer; es soll später umgebaut werden.

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