Rostock – Warnowkai Tanklager Bramow

Das heute völlig verwilderte Gelände mit einer verfallenden Kaikante bleibt vermutlich den meisten Menschen verborgen. Hier befand sich ein kleiner Kai für Tankschiffe, die das ehemalige Tanklager Bramow des VEB Minol versorgten.

Warnowkai - Tanklager Bramow 2

Nach 1989 wurde das Tanklager komplett zurück gebaut. Nur einige Öffnungen im Gelände deuten darauf hin, das hier einst Erdtanks vergraben waren.

Tanklager Bramow 1

Obwohl hier nicht viel zu sehen ist, fühlt man sich nach dem Betreten des Geländes wie in der Szenerie eines Endzeitfilms. Durch Bäume und Dickicht ist man vor den Blicken von der Straße verborgen; verfallende Kopfsteinpflasterstraßen bilden eine Straßenmuster im nirgendwo. Ab und zu taucht eine Bordsteinkante aus dem Gras auf. Im Dickicht lauern Stolperfallen: die Öffnungen zu unterirdischen Leitungsschächten und Kavernen sind nur notdürftig – wenn überhaupt – abgedeckt. Sämtliche oberirdischen Bauten wurden abgerissen – was unter der Erdoberfläche schlummert, ist unbekannt. Gras und Gestrüpp wachsen hier mindestens kniehoch.

Die Kaikante wurde noch aus Holzpfählen errichtet – vermutlich sollte sie nur ein Provisorium sein und hat doch so lange überdauert.

Werbeanzeigen

GSSD – Funkmessposten 631 Damgarten

 

631 RLP - Betonplattenstrasse

Reste einer Plattenstrasse im Gelände

Ganz im Süden des riesigen Areals des Aerodroms Damgarten befindet sich die Radarstellung mit ihrer Technische Zone und dem Unterkunftsbereich. Das gesamte Gelände sieht aus wie im Urwald – dichter Wald, hüfthohes Gras, Dornengestrüpp. Wegen des feuchten Untergrundes wurden Wege auf Dämmen angelegt und die Gebäude stehen etwas erhöht auf Erdaufschüttungen. Die wenigen Betonplattenstraßen enden heute im nirgendwo, die Natur holt sich schnell alles zurück. Wildschweinspuren sind hier überall zu finden und machen eine Erkundung zu einem echten Abenteuer. Wegen des dichten Grüns sind die Höhenunterschiede im Gelände kaum zu sehen; die Radarhügel sieht man praktisch erst, wenn man davor steht. Lichtet sich das Grün etwas, schimmern die Gebäudereste durch den Urwald.

Sämtliche Gebäude befinden sich in einem desolaten Zustand – dies als entkernt zu bezeichnen, wäre noch geschmeichelt. Es ist schwierig, den Gebäuden Funktionen zuweisen zu wollen; eindeutig erscheint das nur im Bereich der Mannschaftsunterkunft.

Ein langer Gang führt vorbei am  Sanitärbereich mit separatem Waschraum – erstaunlicherweise sind die steinernen Waschtröge noch vorhanden. Die Reste der Teestube sind gerade noch erkennbar; ebenso ist der große Schlafraum noch zu erkennen – ganz ähnlich wie am Standort Lockwisch. Im Schlafsaal standen einst nur Betten und jeweils ein kleiner Hocker pro Soldat. Sonst nichts – Privatsphäre gab es hier nicht, hier sollte nur geschlafen werden.

Das mutmaßliche Stabsgebäude befindet sich etwas abseits. Die Raumaufteilung ist hier völlig anders, ebenso die noch erkennbaren Reste der Wandverkleidung. Die Toiletten haben Türen – die Herren Offiziere wollten hier ungestört sein, ein Privileg, das der einfache Soldat nicht hatte.

Manche der Gebäude hatten einen Raum, der nicht nur vergittert war, sondern auch das Fenster war zusätzlich verdunkelt – die Arrestzelle. Es gab einige davon…

In der Nähe des Antennenfeldes die Reste eines technischen Gebäudes; in einem Raum kann man noch Kabeldurchbrüche und Leitungsverläufe erkennen. Neben dem Gebäude die unvermeidlichen Überreste der Feuerlösch-Hilfsmittel.

Mitten in den feuchten Wiesen und heute noch in teilweise offenem Gelände stehen überraschenderweise noch einige Trägermasten für Antennen herum.

In unmittelbare Nähe die Ruinen eines Gebäudes, das einen Grundriß hat, wie das Labyrinth des Minotaurus… völlig verwinkelt mit vielen Kabelresten und den Resten von Schaltkästen; die Ruine ist so verfallen, das die Mauerreste fast nur noch brusthoch sind. Gut erhalten dagegen die Fahrzeughalle für die mobilen Radargeräte.

Die für mich größte Überraschung in diesem verwilderten Gelände ist jedoch der Wachturm, der sich vermutlich am ehemaligen Zugangsbereich vom Flugplatz aus befand. Hier in diesen Bereich durfte wirklich nicht jeder.

image-2019-05-17 (36)

Die offizielle Bezeichnung für das Gelände lautet 631 RLP – RLP ist eine russische Abkürzung (in Umschrift etwas: Radiolokazionie Post), was man am besten mit „Funkmessposten“ übersetzen kann (mitunter findet man auch die Bezeichnung FuTK – Funktechnische Kompanie – das wäre in etwa das deutsche Gegenstück). Dieser Funkmessposten gehörte zum 485. Funktechnischen Bataillon (FuTB), das ebenfalls auf dem Flugplatz Damgarten stationiert war – jedoch im nördlichen Teil des Geländes. Zum 485. Funktechnischen Bataillon gehörten neben Damgarten noch die Funkmessposten 632 in Dranske, 633 in Thiessow und 634 in Pasewalk. Das 485. FuTB war eine von vier FuTB, die von der 40. Funktechnischen Brigade der GSSD in Wittstock (Dosse) geführt wurden. Von Wittstock aus wurden die Luftlagedaten direkt an das Oberkommando der GSSD nach Wünsdorf gemeldet. Vermutlich wurde dieser Funkmessposten Ende der 1950er Jahre eingerichtet – ein russisches Graffito unter dem Dach der Garage zeigt in das Jahr 1959, weitere Graffitis im Inneren – aufgemalt mit allem, was zu haben war, oder einfach in den Stein gekratzt – sind bis zum Auszug der Truppen im Jahre 1994 zu finden. Die russischen Soldaten kamen von überall her: aus Novosibirsk, aus Witebsk, aus Odessa, aus dem Donbas, aus Lettland, aus Moldawien…

Flugplatz Damgarten – Nahmarkierungspunkt Ost

Im Ribnitzer Ortsteil Holtacker präsentiert sich der östliche Nahmarkierungspunkt des GSSD – Fluplatzes Damgarten fast wie in alten Zeiten. Ein völlig begrünter und zugewachsener Erdwall als Sichtschutz zum schmalen Weg hin; eine Doppelzaunanlage mit Stacheldraht, eine unscheinbare Zufahrt.

Wohl kaum jemand wird gewußt haben, worum es sich bei dieser Installation handelt: Der östliche Nahmarkierungspunkt für das Funkfeuer des Flugplatzes Damgarten.

Mit der Verlängerung der Start- und Landebahn auf dem Flugplatz musste auch das Funkfeuer entsprechend versetzt werden – dies sieht man hier sehr deutlich: das Gelände enthält tatsächlich zwei Gebäude. Ein größerer Bau beherbergte das ursprüngliche Funkfeuer und vermutlich die gesamte Technik. Völlig zugewuchert kann man noch den Rest eines Schaltkastens erkennen.

Ganz am Ende des Grundstückes wurde – nach der Verlängerung der Startbahn – lieblos ein zweites und viel kleineres Gebäude hingebaut, das nur aus einem kleinen Raum bestand und nun den Funkpeiler beherbergte.

Nach dem Abzug der Hausherren im Jahre 1994 wurde das Gelände sich selbst überlassen – sehr erstaunlich, das es noch erhalten ist.

Flugplatz Damgarten – SAS-Werkstatt

Ein besonders gesicherter Bereich in einem gesicherten Bereich. Nach dem Kontrollduchlassposten zum Munitionslager, hinter Zäunen versteckt, biegt ein inzwischen fast völlig zugewucherter kleiner Weg vom Hauptweg ab. Die Reste eines weiteren kleineren Wachgebäudes verfallen im Wald. Eine von Bäumen umwucherte große Peitschenlaterne weist den Weg tiefer in den Wald hinein.

Rechts werden die Reste einer Kfz-Halle sichtbar – der Unterstand für die mobile Nachrichtentechnik.

Ein unscheinbares Gebäude, in Tarnfarben gestrichen, zeigt sich in unmittelbarer Nähe. Das dieses Gebäude etwas besonderes darstellt, zeigt sich schon an der hölzernen Eingangstür. Reste einer selbstgebauten Schallschutzverkleidung werden sichtbar.

Vergitterte Fenster; die Reste einer Tür mit „VS-Luke“ – die runde Ausbuchtung für die Petschaft als manuelle Sicherung der Unversehrtheit ist auch noch zu erkennen. Und dann der Fund einer gut erhaltenen ehemaligen Wandtafel, achtlos auf dem Fußboden liegend: Anweisungen des Diensthabenden SAS-Mechanikers.

#Titel SAS Werkstatt

Damgarten - SAS-Werkstatt Dienstzimmer

Blick in ein Dienstzimmer – überraschend gut erhalten

Ganz offensichtlich handelte es sich bei diesem Gebäude um das Werkstattgebäude für die sogenannte Spezial-Nachrichtentechnik – auf russisch SAS. In vereinfachter Umschrift Sasekretschiwanije Awtomatitscheskoje Swjasi – in etwa zu übersetzen mit Automatische Chiffriergeräte. Als Bestandteil des Nachrichtenwesens bestand die Aufgabe des SAS- und Chiffrierdienstes in der Gewährleistung der gedeckten Truppenführung über Nachrichtenverbindungen. Praktisch wurden entweder Nachrichten direkt chiffriert oder verschlüsselt oder codiert übertragen – über Fernsprechverbindungen, Fernschreibverbindungen; über Funk-, Richtfunk oder kabelgebundene Verbindungen; mobil oder stationär. Die „SAS-Truppen“ waren eine geheime „Truppe“ innerhalb der Nachrichtentruppe. Die Geheimhaltung war so groß, das selbst heute kaum jemand darüber spricht.

Deshalb ist dieser Fund etwas ganz besonderes!

Das Gebäude ist ansonsten (natürlich) völlig ausgeräumt, befindet sich jedoch noch in einem recht passablen Zustand – dies wird wohl der abseitigen Lage zu verdanken sein.

Ein größerer Erdhügel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werkstattgebäude lässt einen entsprechenden Bunker vermuten – dies konnte jedoch nicht verifiziert werden; das Gelände ist völlig zugewuchert und es konnten weder ein Eingang noch entsprechende Bunkeraufbauten ausgemacht werden.

SAS - Werkstatt - Schaltkasten

Ein hölzerner Schaltkasten im SAS-Bereich – das wäre heute undenkbar…

Lediglich hinter dem Werkstattgebäude fanden sich Überreste einer Antennenanlage – ein größeres Plattenfundament, zwei Schaltkästen aus Holz (!) und einige Kabelreste neben einem vergammelnden Stacheldraht-Zaun.

Überraschend sind auf jeden Fall die improvisierten Installationen in diesem geheimen Bereich: der provisorisch anmutende Schallschutz an der Zugangstür Marke Eigenbau und die hölzernen Schaltkästen der Antennen-verkabelung. Es scheint so, als wären „die Russen“ sehr entspannt gewesen in der Umsetzung der sehr strengen Vorschriften zur Sicherung der Geheimhaltung und Beschränkung des Zuganges zu jedweder SAS- Technik (einschließlich und insbesondere der Anschaltpunkte – das waren immer ganz besonders neuralgische Punkte).

Flugplatz Damgarten – Munitionslager

Ganz im Südosten des riesigen Geländes des GSSD-Flugplatzes Damgarten wurde das Munitionslager angelegt.

Eine gut bewachte Doppelzaun-Anlage umgab das Gelände. Reste kleinerer Wachgebäude rotten vor sich hin; sogar eine Baracke russischer Bauart mit Stahlrippen-Konstruktion ist noch erkennbar.

Einsam im Wald steht ein Hydrant vor einer kaum erkennbaren Zisterne. Dieser war wohl Bestandteil des rudimentären Feuerlöschkonzeptes –  nicht auszudenken, wenn es hier zu einem Brand gekommen wäre. Für eine Lagerstätte für Munition machen alle Gebäude einen recht maroden Eindruck.

Kaum vorstellbar, das hier ein Mindestmaß an Sicherheit geherrscht haben soll, selbst wenn fast alle Gebäude von einem zusätzlichen Erdwall umgeben waren, die im Falle einer Explosion die Druckwelle nach oben ableiten sollten.

Alle Lagergebäude waren entlang einer Ringstraße positioniert, deren Betonplatten langsam von der Natur zurück erobert werden. Stärker befestigte Bauwerke oder mit Erde überdeckte Munitionsbunker finden sich hier nicht mehr – an manchen Stellen sind noch Reste von zurück gebauten Objekten erkennbar.

Damgarten MunLager 09

Reste eines zurück gebauten Lagergebäudes

 

 

WK II – See- und Land – Fliegerhorst Pütnitz

Hervorgehoben

Ein wirklich riesiges Areal am Saaler Bodden, ummauert, eingezäunt, abgesperrt, von grün umwuchert. Nach fast 60 Jahren militärischer Nutzung erobert sich die Natur viel zurück.

Bekannt sind vor allem die auffälligen Hallen des ehemaligen Seeflugplatzes, der 1935 am nordwestlichen Ende am Ufer des Saaler Boddens auf der Halbinsel Pütnitz errichtet worden ist.

#Titel 2 GSSD Damgarten

Das Reichsluftfahrtministerium hatte der auf dem Gut Pütnitz lebenden Familie von Zanthier einen großen Teil ihres Geländes abgekauft. Das Gut Pütnitz war 1928 zur Stadt Damgarten eingemeindet worden. So begannen 1935 vielfältige Bautätigkeiten auf den ehemaligen von Wald umgebenen Acker- und Weideflächen.

Im südlichen Teil wurde ein Landflugplatz eingerichtet. Eine erste Start- und Landebahn wurde zunächst als Rasenpiste angelegt; für den Seeflugplatz, der sich mehr als einen Kilometer nordwestlich vom Landflugplatz befindet, wurden zwei Startrampen für Wasserflugzeuge errichtet. Am 01.April 1936 zogen dann offiziell die Fliegerhorstkommandantur (See), die Flugzeugführerschule (See) und der Blindfluglehrgang (See) auf dem Gelände ein, das nun als Seefliegerschule diente.

Im Bereich der Seefliegerschule entstanden in kurzer Zeit die auch heute noch markanten Hallen, die als Reparaturhallen und Unterstand für die Flugzeuge genutzt wurden.

1942 wurde die Rasenpiste des Landflugplatzes als Startbahn befestigt und 1943 erweitert. Auch wenn sie heute in einem desolaten Zustand ist, erhalten ist sie immer noch – weit entfernt im südlichen Teil des Geländes.

Flugplatz Damgarten

Die „alte“ deutsche betonierte Start- und Landebahn aus den Zeiten der Nutzung als deutscher Fliegerhorst

In einer Halle auf dem Gelände der Seefliegerschule fertigten die Rostocker Heinkelwerke ab 1942 Tragflächen für den He 111. Das Gelände des Flugplatzes wurde zum Einfliegen von in den Ribnitzer Bachmann Werken reparierter Flugzeuge mitgenutzt.

Die Seefliegerschule wurde im Jahre 1944 geschlossen; in den letzten Kriegstagen war der deutsche Fliegerhorst Pütnitz noch Frontflugplatz für deutsche Jagdflieger des Jagdgeschwaders 103.

Im Mai 1945 zogen die russischen Truppen ein und blieben bis 1994. Mit Ausnahme einer kurzen Zeit von 1948 bis 1951: in diesem Zeitraum wurden in den Flugzeughallen des Seeflugplatzes durch die Boddenwerft Damgarten Fischkutter produziert. Damit war jedoch schnell Schluss, als die russischen Besatzungstruppen beschlossen, das ganze Areal und insbesondere den Flugplatz als Basis für ihre Jagdfliegerkräfte im deutschen Ostseeraum weiter zu nutzen – die russische Bezeichnung für das Gelände war nun Aerodrom Damgarten bzw. Flugplatz Damgarten. Und bis 1994 militärisches Sperrgebiet.

Ein großer Teil des Unterkunftsbereiches aus der Zeit der deutschen Nutzung, der sich etwas abseits von den Technischen Zonen der beiden Flugplätze im nördlichen Teil des Geländes befand, ist heute noch erhalten – jedoch völlig von Wald umwuchert.

Unmittelbar am östlichen Rand des Flugplatzgeländes führten die Gleise der Franzburger Kreisbahnen vorbei (ab 1940 Franzburger Bahnen Nord). Es gab einen Haltepunkt an der nördlichen Zufahrtsstraße zum Gelände, der bis 1965 Bestand hatte. So bestand Bahnverbindung nach Damgarten und nach Barth bzw. Stralsund. Militärpersonal konnte so per Bahn vom deutschen Fliegerhorst in Barth zum Fliegerhorst nach Pütnitz verlegt werden.

Quellen:
Sternkiker, Edwin „Abzug vor 25 Jahren. Als die russischen Flieger Pütnitz verließen“, Ostsee-Zeitung, 19.04.2019
Sternkiker, Edwin „Der Flughafen Pütnitz unter Hakenkreuz und Sowjetstern 1935 – 1994“, Rostock, 2014

 

Rostock – Messegelände Schutow

Immer im Juli fand von 1966 bis 1978 auf dem eigens dafür auf der grünen Wiese erbauten Messegelände in Rostock – Schutow für zwei Wochen ein Volksvergnügen der besonderen Art statt: die Ostseemesse.

Sie sollte als Leistungsschau der regionalen Wirtschaft als Schaufenster der DDR für die Ostsee-Anrainer-Staaten dienen und so zur internationalen Anerkennung der DDR beitragen.

Der Messerundgang begann am Haupteingang – hier wurde extra eine Bushaltestelle angelegt. Gleich daneben befand sich ein inzwischen abgerissenes Motel.

Die Messe war eine enorme Attraktion – täglich besuchten zwischen 11.000 und 27.000 Menschen die Messe. Auf dem recht weitläufigen Gelände konnten sich die Besucher stundenlang aufhalten. Neben den Produktpräsentationen in den verschiedenen Hallen konnte an zahlreichen Verkaufsständen alles rund um das Thema Freizeit (z.B. Campingzubehör, Bekleidung, Wassersportartikel) käuflich erworben werden.

Vom Haupteingang kommend, sieht man linksseitig einen markanten Bau in Form einer Hyparschale aus Spannbeton – eine Kreation des dafür berühmten Architekten Ulrich Müther. Dieses Schmuckstück war der Messe – Pavillon der erdölverarbeitenden Industrie.

Ostseemesse - Mütherbau

Ostseemesse – eine Hyparschale von Ulrich Müther – der ehemalige Pavillon der Erdölverarbeitenden Industrie

Gegenüber des Pavillons befand sich das Messe-Freigelände – ein großer Platz, von Springbrunnen eingerahmt, auf dem vielfältige Veranstaltungen statt fanden. Jeden Messetag gab es eine Fülle davon – Modellbau-Ausstellung, Filmvorführungen, Modenschauen, Auftritte diverser Künstler etc.

Zeitzeugen erinnern sich daran, das die Ostseemesse in puncto Warenversorgung ein absolutes „Highlight“ gewesen sein soll.

Nach einigen kleineren Flachbauten folgte links der Pavillon der Jagd- und Forstwirtschaften. Ein damals moderner Bau mit vorgesetzter Glasfront.

In unmittelbare Nähe befindet sich – sozusagen am Ende des Hauptweges – das sogenante Achteck-Haus. Das Achteckige Gebäude wurde (wie alle originären Gebäude auf dem Gelände) extra für die Ostseemesse „aus dem Boden gestampft“.

Ostseemesse - Achteck-Haus

Das Achtecke-Haus der Ostseemesse – gut zu sehen die Freitreppe zur Dachterrasse des Restaurants

Unmittelbar neben dem ehemaligen Nordeingang der Ostseemesse gelegen, wurde es als repräsentatives Messe – Restaurant genutzt. Der seitliche Anbau kam erst viel später dazu und beherbergte eine Kegelbahn.

Ein (als Fisch-Restaurant genutzter) Fischkutter stand seit 1973 lange Zeit neben dem Gebäude, ist aber seit vielen Jahren verschwunden.

Nach 1989 verfiel ein Teil des umliegenden Geländes, wobei das Achteck-Haus selbst (neben Phasen des Leerstandes) einige Phasen der Nachnutzung durch Einzelhändler erlebte und so dem Verfall entging.

Dem Hauptweg folgend und am Achteckhaus vorbei kommt man zum ehemaligen Nebeneingang Messe-Nord.

Ostseemesse - Nordeingang

Der kleine Nebeneingang Messe-Nord

Hinter dem alten Nordeingang muss einmal eine kleine Versorgungsstraße verlaufen sein – heute kaum noch zu erkennen… dafür ein schönes Fotomotiv.

Einmal um das Achteck-Haus herumgelaufen und unterwegs etwas lost-place-Romantik aufgesogen…

Zurück auf dem Hauptweg und an der Nordseite des Freigeländes fällt der Blick auf die völlig verfallenen Gebäude, die die Ostseite des Freigeländes ausmachten. Eine große Messehalle, halb verfallen, von viel grün umgeben; gefolgt von einigen Flachbauten, von denen einer einen markanten Giebel in Ziegeloptik hat: hier befand sich eine sehr populäre Eisdiele.

Gegenüber der verfallenden Messehalle – an der Nord-Ost-Ecke des Geländes befinden sich die Überreste des ehemaligen Heizkraftwerkes – der Schornstein ist einer der wenigen noch erhaltenen Schornsteine im Stadtbild von Rostock.

Der etwas versteckte Ort wird häufig von Graffiti – Künstlern besucht. Inzwischen durch den zunehmenden Verfall des Geländes nicht ganz ungefährlich.

Im großen Bogen an der Außenkante des Geländes zurück in Richtung Haupteingang – dieser Weg war für den öffentlichen Besucherverkehr sicher nicht zugänglich. Hier hinten war nicht nur die Versorgungszufahrt für das Heizkraftwerk und die Messehallen, hier befand sich auch ein kleines Klärwerk.

Auch dieser Bereich ist nicht ganz ungefährlich, da der gesamte Bereich des Klärteiches nicht ansatzweise gesichert ist – unvorstellbar, da in unmittelbarer Nähe ein Baumarkt und ein Möbelmarkt auch Familien mit Kindern anziehen.

1977 wurde beschlossen die Ostseewoche und damit auch die Ostseemesse ab 1978 nicht mehr durchzuführen., da die politische Führung der DDR meinte die politischen Ziele (insbesondere die internationale Anerkennung der DDR) sind erfüllt.

Danach wurden einige Hallen zu Verkaufseinrichtungen umfunktioniert. Große Teile des Freigeländes und einige große Hallen wurden als Abstellplatz und Werkstätten für Busse und LKWs genutzt. Andere Hallen dienten als Lagerfläche u.a. für Getreide.

Ein eingeschränkter Messebetrieb fand noch statt für die „Messe der Meister von Morgen“. Diese fand in einem Teil der Halle statt, die heute für einen Möbel-Markt genutzt wird sowie in der heute als Autohaus genutzten Hyparschale. Nach 1989 stand das Gelände völlig leer – inzwischen wird versucht, das gesamte Areal nach und nach wieder zu beleben.

Noch bieten sich genügend lost place- Flair und spannende Motive für die Kamera.