WK II – See- und Land – Fliegerhorst Pütnitz

Ein wirklich riesiges Areal am Saaler Bodden, ummauert, eingezäunt, abgesperrt, von grün umwuchert. Nach fast 60 Jahren militärischer Nutzung erobert sich die Natur viel zurück.

Bekannt sind vor allem die auffälligen Hallen des ehemaligen Seeflugplatzes, der 1935 am nordwestlichen Ende am Ufer des Saaler Boddens auf der Halbinsel Pütnitz errichtet worden ist.

#Titel 2 GSSD Damgarten

Das Reichsluftfahrtministerium hatte der auf dem Gut Pütnitz lebenden Familie von Zanthier einen großen Teil ihres Geländes abgekauft. Das Gut Pütnitz war 1928 zur Stadt Damgarten eingemeindet worden. So begannen 1935 vielfältige Bautätigkeiten auf den ehemaligen von Wald umgebenen Acker- und Weideflächen.

Im südlichen Teil wurde ein Landflugplatz eingerichtet. Eine erste Start- und Landebahn wurde zunächst als Rasenpiste angelegt; für den Seeflugplatz, der sich mehr als einen Kilometer nordwestlich vom Landflugplatz befindet, wurden zwei Startrampen für Wasserflugzeuge errichtet. Am 01.April 1936 zogen dann offiziell die Fliegerhorstkommandantur (See), die Flugzeugführerschule (See) und der Blindfluglehrgang (See) auf dem Gelände ein, das nun als Seefliegerschule diente.

Im Bereich der Seefliegerschule entstanden in kurzer Zeit die auch heute noch markanten Hallen, die als Reparaturhallen und Unterstand für die Flugzeuge genutzt wurden.

1942 wurde die Rasenpiste des Landflugplatzes als Startbahn befestigt und 1943 erweitert. Auch wenn sie heute in einem desolaten Zustand ist, erhalten ist sie immer noch – weit entfernt im südlichen Teil des Geländes.

Flugplatz Damgarten

Die „alte“ deutsche betonierte Start- und Landebahn aus den Zeiten der Nutzung als deutscher Fliegerhorst

In einer Halle auf dem Gelände der Seefliegerschule fertigten die Rostocker Heinkelwerke ab 1942 Tragflächen für den He 111. Das Gelände des Flugplatzes wurde zum Einfliegen von in den Ribnitzer Bachmann Werken reparierter Flugzeuge mitgenutzt.

Die Seefliegerschule wurde im Jahre 1944 geschlossen; in den letzten Kriegstagen war der deutsche Fliegerhorst Pütnitz noch Frontflugplatz für deutsche Jagdflieger des Jagdgeschwaders 103.

Im Mai 1945 zogen die russischen Truppen ein und blieben bis 1994. Mit Ausnahme einer kurzen Zeit von 1948 bis 1951: in diesem Zeitraum wurden in den Flugzeughallen des Seeflugplatzes durch die Boddenwerft Damgarten Fischkutter produziert. Damit war jedoch schnell Schluss, als die russischen Besatzungstruppen beschlossen, das ganze Areal und insbesondere den Flugplatz als Basis für ihre Jagdfliegerkräfte im deutschen Ostseeraum weiter zu nutzen – die russische Bezeichnung für das Gelände war nun Aerodrom Damgarten bzw. Flugplatz Damgarten. Und bis 1994 militärisches Sperrgebiet.

Ein großer Teil des Unterkunftsbereiches aus der Zeit der deutschen Nutzung, der sich etwas abseits von den Technischen Zonen der beiden Flugplätze im nördlichen Teil des Geländes befand, ist heute noch erhalten – jedoch völlig von Wald umwuchert.

Unmittelbar am östlichen Rand des Flugplatzgeländes führten die Gleise der Franzburger Kreisbahnen vorbei (ab 1940 Franzburger Bahnen Nord). Es gab einen Haltepunkt an der nördlichen Zufahrtsstraße zum Gelände, der bis 1965 Bestand hatte. So bestand Bahnverbindung nach Damgarten und nach Barth bzw. Stralsund. Militärpersonal konnte so per Bahn vom deutschen Fliegerhorst in Barth zum Fliegerhorst nach Pütnitz verlegt werden.

Quellen:
Sternkiker, Edwin „Abzug vor 25 Jahren. Als die russischen Flieger Pütnitz verließen“, Ostsee-Zeitung, 19.04.2019
Sternkiker, Edwin „Der Flughafen Pütnitz unter Hakenkreuz und Sowjetstern 1935 – 1994“, Rostock, 2014

 

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