Aartalbahn

Ein spannender Lost Place, der gegen das Vergessen kämpft.

Die ehemalige Bahnstrecke vom Wiesbadener Hauptbahnhof über den Taunuskamm und das Aartal entlang nach Diez. Bekannt unter dem Namen Langenschwalbacher Bahn, oder – ganz prosaisch: Fürsten- und Bäderbahn. Die Bahnstrecke verband in ihrem südlichen Teil die Kurstadt Wiesbaden mit dem vor allem beim Adel beliebten Frauenheilbad Langenschwalbach (heute Bad Schwalbach). Die Personenwagen  auf dieser Bahnlinie („Langenschwalbacher“ genannt) waren nicht nur Spezialkonstruktionen, um die besonderen Herausforderungen der Streckenführung zu meistern, sie waren auch besonders luxuriös ausgestattet, um dem prominenten Publikum den größt möglichen Komfort in einer Eisenbahn zu bieten.

Schon in den 1860er Jahren bestanden Pläne für den Bau einer Eisenbahn von Mainz über Wiesbaden durch das Aarthal und über den Westerwald nach Wissen an der Sieg. Nicht nur für die Nassauische Eisenbahn war dieses Projekt zu groß, auch der Preußische Staat kürzte die Strecke. Erbaut wurde die eingleisige Strecke zwischen 1869 und 1894 in drei Teilabschnitten.

Der nördliche Abschnitt von Diez (mit Anschluss an die Lahntalbahn Richtung Koblenz bzw. Limburg) nach Zollhaus ging schon am 01. Juni 1870 in Betrieb. Zollhaus war ein wichtiges bergbauliches Zentrum und die Strecke nicht allzu schwierig – das obere Aartal ist recht breit und flach. Die Strecke hier ist ausgelegt worden für Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.

Aartal - Unteres - bei Flacht

Aartalbahn Streckenimpression – das Untere Aartal in der Nähe von Flacht

Der südliche Bauabschnitt zwischen Wiesbaden und Langenschwalbach stellte mit der erforderlichen Überquerung des Taunus-Hauptkammes die Ingenieure vor einige Herausforderungen. Die Streckenführung zählt zu den steilsten Bahnstrecken, die noch ohne zusätzlichen Zahnradantrieb auskommen und führt durch eine bezaubernde Landschaft. Durch enge Kurvenradien konnten zwar aufwändige Viadukte und Tunnel vermieden werden, die Höchstgeschwindigkeit der Eisenbahn war jedoch auf 40 km/h begrenzt. Die Eröffnung des Süd-Abschnittes zwischen dem damaligen Wiesbadener Rheinbahnhof und Langenschalbach erfolgte am 15.11.1889.

Auch der mittlere Abschnitt der Aartalbahn barg einige Herausforderungen: das Tal war eng und sehr gewunden, so dass der Bau von längeren Tunneln erforderlich war. Der Bau des mittleren Abschnittes erfolgte in drei Losen:

Los 1: Zollhaus (Nassau) – Sandersmühle (einschließlich Michelbacher Tunnel)

Los 2: Sandersmühle – Hohenstein (einschließlich Laufenseldener Tunnelbauwerk)

Los 3: Hohenstein – Langenschwalbach (einschließlich der Tunnelbauwerke Hohenstein und Adolphseck)

Am 01.05.1894 ging dann auch endlich die mittlere Teil- Strecke in Betrieb und die Aartalbahn war zwischen Wiesbaden und Diez durchgehend befahrbar.

Aartal - Mittleres

Blick in das Mittlere Aartal bei Adolphseck

Welche Bedeutung die Eisenbahn für die Bevölkerung hatte – in einer Zeit, in der es kaum befestigte Straßen gab – kann man daran erkennen, das zur Bahneröffnung überall an der Strecke Volksfeste abgehalten wurden.

Zwischen 1907 und 1911 wurden die Kurvenradien im Südabschnitt zwischen Wiesbaden und Langenschwalbach von 180 m auf 200 m erhöht, um damit auch die zu fahrende Geschwindigkeit der Bahn auf 50 km/h  gesteigert.

Wie so oft, starb auch diese Strecke in Raten. Zuerst wurde der Personenverkehr nach und nach eingestellt (1983 auf der südlichen Strecke Wiesbaden – Bad Schwalbach, 1986 auf der nördlichen Strecke Bad Schwalbach – Diez), dann der Güterverkehr.

In einem Artikel von Dr. Christian Stolz (veröffentlicht im Wiesbadener Tageblatt am 05.02.2004) heißt es dazu: Statt Gleisanlagen, Steuerungstechnik und Fahrzeuge zu modernisieren, hatte die damalige Deutsche Bundesbahn die Aartalbahn über Jahrzehnte hinweg vergammeln lassen […]

Nach der Betriebseinstellung drohte der Strecke der Abriss. Buchstäblich in letzter Sekunde – der Abriss-Zug stand schon bereit – wurde die gesamte Strecke 1987 in ihrem hessischen Verlauf als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt.

Zeitweise fuhren dann noch Museumsbahnen der „Nassauischen Touristik Bahn“ auf der Strecke.

Noch Ende 2017 träumten manche von einer Inbetriebnahme wenigstens einer kleinen Teilstrecke bis nach Bad Schwalbach im Jahre 2018 (anlässlich der dort stattfindenden Landesgartenschau).

Bis heute fährt hier nichts mehr.

Dafür bieten sich viele schöne Fotomotive.

 

Der Streckenverlauf:

km 0,0   Wiesbaden Hbf

km 6,1 Wiesbaden Dotzheim

km 10,0 Chausseehaus

km 14,1 Eiserne Hand

km 16,6 Hahn – Wehen

km 18,3 Bleidenstadt

km 23,5 Bad Schwalbach

km 24,8 Adolphseck

km 28,3 Breithardt

km 30,1 Hohenstein (Nassau)

km 31,5 Laufenselden

km 39,6 Rückershausen

km 35, 5 Michelbach

km 37,5 Kettenbach

km 42,8 Zollhaus (Nassau)

km 45,1 Hahnstätten

km 42,8 Zollhaus (Nassau)

km 47,2 Oberneisen

km 49, 6 Flacht

km 53,7 Diez

 

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