Rostock – Messegelände Schutow

Immer im Juli fand von 1966 bis 1978 auf dem eigens dafür auf der grünen Wiese erbauten Messegelände in Rostock – Schutow für zwei Wochen ein Volksvergnügen der besonderen Art statt: die Ostseemesse.

Sie sollte als Leistungsschau der regionalen Wirtschaft als Schaufenster der DDR für die Ostsee-Anrainer-Staaten dienen und so zur internationalen Anerkennung der DDR beitragen.

Der Messerundgang begann am Haupteingang – hier wurde extra eine Bushaltestelle angelegt. Gleich daneben befand sich ein inzwischen abgerissenes Motel.

Die Messe war eine enorme Attraktion – täglich besuchten zwischen 11.000 und 27.000 Menschen die Messe. Auf dem recht weitläufigen Gelände konnten sich die Besucher stundenlang aufhalten. Neben den Produktpräsentationen in den verschiedenen Hallen konnte an zahlreichen Verkaufsständen alles rund um das Thema Freizeit (z.B. Campingzubehör, Bekleidung, Wassersportartikel) käuflich erworben werden.

Vom Haupteingang kommend, sieht man linksseitig einen markanten Bau in Form einer Hyparschale aus Spannbeton – eine Kreation des dafür berühmten Architekten Ulrich Müther. Dieses Schmuckstück war der Messe – Pavillon der erdölverarbeitenden Industrie.

Ostseemesse - Mütherbau

Ostseemesse – eine Hyparschale von Ulrich Müther – der ehemalige Pavillon der Erdölverarbeitenden Industrie

Gegenüber des Pavillons befand sich das Messe-Freigelände – ein großer Platz, von Springbrunnen eingerahmt, auf dem vielfältige Veranstaltungen statt fanden. Jeden Messetag gab es eine Fülle davon – Modellbau-Ausstellung, Filmvorführungen, Modenschauen, Auftritte diverser Künstler etc.

Zeitzeugen erinnern sich daran, das die Ostseemesse in puncto Warenversorgung ein absolutes „Highlight“ gewesen sein soll.

Nach einigen kleineren Flachbauten folgte links der Pavillon der Jagd- und Forstwirtschaften. Ein damals moderner Bau mit vorgesetzter Glasfront.

In unmittelbare Nähe befindet sich – sozusagen am Ende des Hauptweges – das sogenante Achteck-Haus. Das Achteckige Gebäude wurde (wie alle originären Gebäude auf dem Gelände) extra für die Ostseemesse „aus dem Boden gestampft“.

Ostseemesse - Achteck-Haus

Das Achtecke-Haus der Ostseemesse – gut zu sehen die Freitreppe zur Dachterrasse des Restaurants

Unmittelbar neben dem ehemaligen Nordeingang der Ostseemesse gelegen, wurde es als repräsentatives Messe – Restaurant genutzt. Der seitliche Anbau kam erst viel später dazu und beherbergte eine Kegelbahn.

Ein (als Fisch-Restaurant genutzter) Fischkutter stand seit 1973 lange Zeit neben dem Gebäude, ist aber seit vielen Jahren verschwunden.

Nach 1989 verfiel ein Teil des umliegenden Geländes, wobei das Achteck-Haus selbst (neben Phasen des Leerstandes) einige Phasen der Nachnutzung durch Einzelhändler erlebte und so dem Verfall entging.

Dem Hauptweg folgend und am Achteckhaus vorbei kommt man zum ehemaligen Nebeneingang Messe-Nord.

Ostseemesse - Nordeingang

Der kleine Nebeneingang Messe-Nord

Hinter dem alten Nordeingang muss einmal eine kleine Versorgungsstraße verlaufen sein – heute kaum noch zu erkennen… dafür ein schönes Fotomotiv.

Einmal um das Achteck-Haus herumgelaufen und unterwegs etwas lost-place-Romantik aufgesogen…

Zurück auf dem Hauptweg und an der Nordseite des Freigeländes fällt der Blick auf die völlig verfallenen Gebäude, die die Ostseite des Freigeländes ausmachten. Eine große Messehalle, halb verfallen, von viel grün umgeben; gefolgt von einigen Flachbauten, von denen einer einen markanten Giebel in Ziegeloptik hat: hier befand sich eine sehr populäre Eisdiele.

Gegenüber der verfallenden Messehalle – an der Nord-Ost-Ecke des Geländes befinden sich die Überreste des ehemaligen Heizkraftwerkes – der Schornstein ist einer der wenigen noch erhaltenen Schornsteine im Stadtbild von Rostock.

Der etwas versteckte Ort wird häufig von Graffiti – Künstlern besucht. Inzwischen durch den zunehmenden Verfall des Geländes nicht ganz ungefährlich.

Im großen Bogen an der Außenkante des Geländes zurück in Richtung Haupteingang – dieser Weg war für den öffentlichen Besucherverkehr sicher nicht zugänglich. Hier hinten war nicht nur die Versorgungszufahrt für das Heizkraftwerk und die Messehallen, hier befand sich auch ein kleines Klärwerk.

Auch dieser Bereich ist nicht ganz ungefährlich, da der gesamte Bereich des Klärteiches nicht ansatzweise gesichert ist – unvorstellbar, da in unmittelbarer Nähe ein Baumarkt und ein Möbelmarkt auch Familien mit Kindern anziehen.

1977 wurde beschlossen die Ostseewoche und damit auch die Ostseemesse ab 1978 nicht mehr durchzuführen., da die politische Führung der DDR meinte die politischen Ziele (insbesondere die internationale Anerkennung der DDR) sind erfüllt.

Danach wurden einige Hallen zu Verkaufseinrichtungen umfunktioniert. Große Teile des Freigeländes und einige große Hallen wurden als Abstellplatz und Werkstätten für Busse und LKWs genutzt. Andere Hallen dienten als Lagerfläche u.a. für Getreide.

Ein eingeschränkter Messebetrieb fand noch statt für die „Messe der Meister von Morgen“. Diese fand in einem Teil der Halle statt, die heute für einen Möbel-Markt genutzt wird sowie in der heute als Autohaus genutzten Hyparschale. Nach 1989 stand das Gelände völlig leer – inzwischen wird versucht, das gesamte Areal nach und nach wieder zu beleben.

Noch bieten sich genügend lost place- Flair und spannende Motive für die Kamera.

 

 

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