GSSD – Funkmessposten 631 Damgarten

 

631 RLP - Betonplattenstrasse

Reste einer Plattenstrasse im Gelände

Ganz im Süden des riesigen Areals des Aerodroms Damgarten befindet sich die Radarstellung mit ihrer Technische Zone und dem Unterkunftsbereich. Das gesamte Gelände sieht aus wie im Urwald – dichter Wald, hüfthohes Gras, Dornengestrüpp. Wegen des feuchten Untergrundes wurden Wege auf Dämmen angelegt und die Gebäude stehen etwas erhöht auf Erdaufschüttungen. Die wenigen Betonplattenstraßen enden heute im nirgendwo, die Natur holt sich schnell alles zurück. Wildschweinspuren sind hier überall zu finden und machen eine Erkundung zu einem echten Abenteuer. Wegen des dichten Grüns sind die Höhenunterschiede im Gelände kaum zu sehen; die Radarhügel sieht man praktisch erst, wenn man davor steht. Lichtet sich das Grün etwas, schimmern die Gebäudereste durch den Urwald.

Sämtliche Gebäude befinden sich in einem desolaten Zustand – dies als entkernt zu bezeichnen, wäre noch geschmeichelt. Es ist schwierig, den Gebäuden Funktionen zuweisen zu wollen; eindeutig erscheint das nur im Bereich der Mannschaftsunterkunft.

Ein langer Gang führt vorbei am  Sanitärbereich mit separatem Waschraum – erstaunlicherweise sind die steinernen Waschtröge noch vorhanden. Die Reste der Teestube sind gerade noch erkennbar; ebenso ist der große Schlafraum noch zu erkennen – ganz ähnlich wie am Standort Lockwisch. Im Schlafsaal standen einst nur Betten und jeweils ein kleiner Hocker pro Soldat. Sonst nichts – Privatsphäre gab es hier nicht, hier sollte nur geschlafen werden.

Das mutmaßliche Stabsgebäude befindet sich etwas abseits. Die Raumaufteilung ist hier völlig anders, ebenso die noch erkennbaren Reste der Wandverkleidung. Die Toiletten haben Türen – die Herren Offiziere wollten hier ungestört sein, ein Privileg, das der einfache Soldat nicht hatte.

Manche der Gebäude hatten einen Raum, der nicht nur vergittert war, sondern auch das Fenster war zusätzlich verdunkelt – die Arrestzelle. Es gab einige davon…

In der Nähe des Antennenfeldes die Reste eines technischen Gebäudes; in einem Raum kann man noch Kabeldurchbrüche und Leitungsverläufe erkennen. Neben dem Gebäude die unvermeidlichen Überreste der Feuerlösch-Hilfsmittel.

Mitten in den feuchten Wiesen und heute noch in teilweise offenem Gelände stehen überraschenderweise noch einige Trägermasten für Antennen herum.

In unmittelbare Nähe die Ruinen eines Gebäudes, das einen Grundriß hat, wie das Labyrinth des Minotaurus… völlig verwinkelt mit vielen Kabelresten und den Resten von Schaltkästen; die Ruine ist so verfallen, das die Mauerreste fast nur noch brusthoch sind. Gut erhalten dagegen die Fahrzeughalle für die mobilen Radargeräte.

Die für mich größte Überraschung in diesem verwilderten Gelände ist jedoch der Wachturm, der sich vermutlich am ehemaligen Zugangsbereich vom Flugplatz aus befand. Hier in diesen Bereich durfte wirklich nicht jeder.

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Die offizielle Bezeichnung für das Gelände lautet 631 RLP – RLP ist eine russische Abkürzung (in Umschrift etwas: Radiolokazionie Post), was man am besten mit „Funkmessposten“ übersetzen kann (mitunter findet man auch die Bezeichnung FuTK – Funktechnische Kompanie – das wäre in etwa das deutsche Gegenstück). Dieser Funkmessposten gehörte zum 485. Funktechnischen Bataillon (FuTB), das ebenfalls auf dem Flugplatz Damgarten stationiert war – jedoch im nördlichen Teil des Geländes. Zum 485. Funktechnischen Bataillon gehörten neben Damgarten noch die Funkmessposten 632 in Dranske, 633 in Thiessow und 634 in Pasewalk. Das 485. FuTB war eine von vier FuTB, die von der 40. Funktechnischen Brigade der GSSD in Wittstock (Dosse) geführt wurden. Von Wittstock aus wurden die Luftlagedaten direkt an das Oberkommando der GSSD nach Wünsdorf gemeldet. Vermutlich wurde dieser Funkmessposten Ende der 1950er Jahre eingerichtet – ein russisches Graffito unter dem Dach der Garage zeigt in das Jahr 1959, weitere Graffitis im Inneren – aufgemalt mit allem, was zu haben war, oder einfach in den Stein gekratzt – sind bis zum Auszug der Truppen im Jahre 1994 zu finden. Die russischen Soldaten kamen von überall her: aus Novosibirsk, aus Witebsk, aus Odessa, aus dem Donbas, aus Lettland, aus Moldawien…

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