GSSD – Jägerleitstelle Petersdorf

Bei diesem Bunker habe ich doch etwas länger gebraucht, bis ich den Standort recherchiert hatte. Im weiteren Umfeld um den Flugplatz Damgarten – wie er bei den russischen Truppen hieß – existieren einige Schutzbauten. Die Jägerleitstelle war natürlich von besonderem Interesse. Endlich war es soweit, der Vor-Ort-Termin stand an. Mit mutmaßlichen Koordinaten ausgestattet war es nicht allzu schwer, in die Nähe des Standortes zu kommen. Wenn man nicht wüsste, das sich in dem bewaldeten und zugewucherten Gelände der Bunker befindet, man würde es nicht glauben. Gut getarnt ist das Gelände für jeden „Nicht-Eingeweihten“ eher unscheinbar. Ein kleiner Fußmarsch, und es zeigten sich erste Zeichen im Gelände: das Abluftrohr der Netz-Ersatz-Anlage taucht plötzlich mitten im Wald auf.

Man befindet sich also mitten auf dem Bunker-Dach. Aha. Kurz darauf kam eine Betonplatte in Sicht, die sich bei näherem Untersuchen als Abdeckung für den Montageschacht herausstellte.

 

Die Suche nach dem Zugang erwies sich als nicht allzu schwierig. Wie ein Schwalbennest schmiegt sich das Zugangsbauwerk an den „Bunkerhügel“ – man sieht es praktisch erst, wenn man kurz davor steht.

GSSD Jägerleitstelle Petersdorf Titel

Hinein geht es augenscheinlich ganz gut – kurz geprüft, ob es auch gut wieder hinaus geht – der innere Boden liegt doch etwas tiefer.

Endlich drin – Treppen, viel steiler und weiter nach unten, als erwartet. Und typisch russische Bunkertüren. Auf der unteren Sohle angekommen, sieht man, das eine weitere Treppe am Ende eines Querganges wieder nach oben führt, hier hatte es vermutlich zwei Eingänge gegeben – diese zweite Treppe wurde am Schluss untersucht. Über einer Tür der unvermeidliche Pfeil von jemanden, der Angst hatte, sich zu verlaufen.

 

GSSD - Funkbunker Petersdorf Vorfilterraum

Der Vorfilterraum ist leider völlig vermüllt

Unten ist die Luft erstaunlich frisch, leichter Brandgeruch ist dennoch wahrzunehmen. Vor dem eigentlichen Hauptgang im Schutz-Bauwerk befindet sich noch eine nach rechts abzweigende kleine Kammer, in der sich der Vor-Filter der Luftreinigung befand. Diese Kammer ist leider völlig zugemüllt.

Die Wände jedoch sehen aus, als wären sie gerade frisch gemauert worden.

Zumindest ist die typisch russische Tür noch erhalten. Links und parallel zu dieser Kammer befindet sich das eigentliche Schutz-Bauwerk.

Unmittelbar rechts, quasi im ersten Raum auf dem Hauptgang auf der rechten Seite, befindet sich der Sanitärbereich. Überraschenderweise nicht die typisch russischen Toiletten mit dem Loch im Boden – Wasserspülung!

Unmittelbar daneben (auch auf der rechten Seite des Hauptganges) folgen die Räume für die Luftfilteranlage und die Wasserversorgung.

Gegenüber – auf der linken Seite des Ganges – der große Lage- und Führungsraum der Jägerleitung. Hier wurde die Luftlage dargestellt sowie die aktuellen Positionen der eigenen Flugstreitkräfte.  Von hier wurden die Abfangjäger in den Zielraum geführt – das war die Aufgabe derer, die hier im Bunker ihren Dienst versahen.

Erbaut wurde der Bunker Ende der 1950er Jahre als Jägerleitstelle für die 16. Garde-Jagdfliegerdivision, die vom Flugplatz Damgarten operierte. Das einetagige Bauwerk hat eine Grundfläche von ca. 360 qm.

GSSD Funkbunker Petersdorf - Lageraum

Der Lage- und Führungsraum – völlig ausgebrannt

Im Lage- und Führungsraum hatte es gebrannt, die Wände sind völlig verrußt, der Fußboden ist schmierig. Der Brandgeruch liegt noch in der Luft. Offensichtlich wurde hier nicht nur eine Party gefeiert…

An den Führungsraum schließen sich zwei weitere Räume an, die vermutlich als Diensträume für die Funkoffiziere dienten. An der Tür befindet sich noch eine taktische Bezeichnung in kyrillischen Buchstaben.

GSSD Funkbunker Petersdorf - Türschild

Erhaltene taktische Bezeichnung an der Tür eines Dienstraumes

Gegenüber dieser Diensträume befindet sich der Raum mit der Kabeleinführung, die Reste der Nachrichten-Verteilanlage und die leeren Räume der Nachrichtentruppe.

Am Ende des Ganges befindet sich der Zugang zur Netzersatzanlage und links daneben der Steuerraum. Der Steuerraum hatte ein Fenster zum Maschinenraum. Erstaunlich ist, das der Raum der Netzersatzanlage in keiner Weise schallisoliert war und nur durch eine Stahltür vom Hauptflur getrennt war- immerhin stand hier ein recht großer Dieselmotor für die Stromversorgung – das muss ziemlich laut gewesen sein.

Das Ende des Raumes ist sehr zugemüllt – hier befand sich der Notausstieg und der Montageschacht, durch den „irgendwelche Experten“ Müll von oben hereingeschüttet haben.

Auf dem Rückweg wurde noch der ehemalige zweite Treppenaufgang untersucht. Die Treppe führt in ein zweites Zugangsbauwerk, ca. 50m vom ersten entfernt. Dieses wurde jedoch zugemauert, so dass der Weg hier nicht hinaus führte.

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Der Bunker war bis zum Abzug der russischen Truppen 1994 in Betrieb. Heute ist er in Privatbesitz und wird als Fledermausquartier genutzt.

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