NVA – Führungsstelle FuTA 4301 Rövershagen

Das gesamte Gelände war seit 1972 in militärischer Nutzung. Baubeginn für den Garagenbunker vom Typ G1d war 1973 – charakteristisch für diesen Bautyp sind die sieben Garagenbuchten.

Den von außen recht unscheinbaren Garagenkomplex sieht man schon weitem.

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Garagenbunker vom Typ G1d der Führungsstelle der FuTA 4301

Rechter Hand vom Garagenkomplex – vom Dickicht zugewuchert – kann man den Personaleingang erkennen.

An den Personaleingang schließt sich ein kleiner Schleusenbereich an, von dem heute leider nicht mehr viel erhalten ist. Von oben tropfendes Sickerwasser hat in diesem Bereich auch deutliche Schäden hinterlassen.

Der Hauptgang befindet sich noch in einem ganz passablen Zustand.

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Seit der Inbetriebnahme des Schutzbauwerkes am 10.05.1974 befanden sich hier Nachrichten- und operative Informations- auswertungsräume der Luftlagedaten. Bis 30.11.1981 unter der taktischen Bezeichnung Funktechnische Kompanie (FuTK) -334, danach dann unter dem Namen Funktechnische Abteilung 4301 (FuTA-4301). Hier wurde die Luftlage im Ostseeraum für den Gefechtsstand 43 bereitgestellt.

Am 01.101991 übernahm die Bundeswehr als FlaRakG 51 diesen Standort und blieb hier bis zum 30.06.1993. Einige Türschilder aus der Zeit der Bundeswehr sind erhalten geblieben.

Ein surreales Bild: Bundeswehr und NATO-Bezeichnungen in einem Objekt der Nationalen Volksarmee der DDR:

Hinter den Türen, die vom Hauptgang abzweigen befinden sich leere Räume; erstaunlich gut erhalten ist noch der Sanitärbereich – wenig Zerstörung! Und alles noch im typischen NVA / DDR – Look!

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In knalligem rot präsentiert sich der erstaunlich gut erhaltene Filterraum als Teil der Belüftungsanlage – wie eben erst abgeschaltet. Die Wasseraufbereitung sieht dagegen richtig verwahrlost aus.

Die Betriebsräume der Nachrichtentechnik sind noch gut erkennbar – gut erhalten ist die Kabeleinführung und einige Schaltschränke der Rangierverteilung sind auch noch erhalten. An einer Wand hängt ein einsamer gußeiserner (!) Sicherungskasten.

Am Ende des Hauptganges befindet sich der große Führungsraum auf geständertem Boden – völlig ausgeräumt, aber die Vertäfelung ist noch gut zu erkennen.

Vom Hauptgang vor dem Führungsraum zweigt der Garagenzugang ab – zwei große Schleusentüren sind noch erhalten. Die eigentliche Drucktür, die den Zugang verschloß liegt einen Meter neben der Eingangsöffnung – vermutlich haben die Schrottdiebe das Gewicht des Teiles unterschätzt!

Vom Garagentor aus gesehen präsentiert sich der Bunkereingang ebenfalls recht unscheinbar. Gut zu erkennen ist der metallene Laufsteg, der am Kopf der Garagen vor der Bunkerwand verläuft. In der Garagendecke sind Öffnungen zu erkennen – vermutlich Zuleitung für Antennenkabel bzw. Abluftrohr für mobile Technik.

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Garagenzugang zum Bunker

Zum Schluss noch ein kleiner Abstecher auf das Bunkerdach, auf dem noch einige Aufbauten erkennbar sind. Hier muss man höllisch aufpassen, das man nicht über zugewucherte und nicht zu sehende Öffnungen stolpert! Von dort oben hat man einen guten Blick auf die benachbarte Bogendeckung, die den Gefechtsstand 43 verbirgt.

Neben den Resten der Antennenanlage findet sich im hohen Gras noch der Rest eines größeren Tarnnetzes, einfach liegen gelassen und vergessen. Ein schönes bildhaftes Gleichnis für den gesamten Ort hier.

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NVA – Gefechtsstand 43 Rövershagen

Trotz seiner Größe ist dieser Bunkerbau in Form einer Bogendeckung – wie sie eigentlich für Flugzeuge verwendet wird – von außerhalb des Geländes kaum wahrnehmbar. Sehr gut getarnt durch Erdüberdeckung, Bepflanzung und inzwischen viel natürlichem Bewuchs. Erbaut wurde dieser Bunker von 1982 bis 1985 als  2-etagige- Bogendeckung mit monolithischem Kopfbau für Technik/Sanitär und Garagenanbau (Typ: erweiterte geschlossenen Deckung für Flugzeuge AU-16 bzw. FB-360-STB-71; Belegung: normal 34, maximal 85 Personen; Gesamtfläche 1.811 qm)

Der Blick in die geöffneten Rolltore der Bogendeckung lässt jedenfalls nicht erahnen, das sich hier der GS 43 (das heißt, der Gefechtsstand der 43. Flugabwehr-Raketenbrigade) befand. Der kleine Holzzaun, der sich heute davor befindet, hielt eine Herde Schafe davon ab, sich über das weite Gelände zu zerstreuen. Eine Nachnutzung der anderen Art…

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Im Inneren der Bogendeckung befindet sich der Bunker für den Gefechtsstand 43 – der vordere Teil der Bogendeckung wurde zeitweilig als Schafstall genutzt.

Die Tore hatten an der Unterseite Laufrollen, die auf einer Stahlschiene liefen. Angetrieben wurden sie durch einen kleinen Elektromotor, der sich an den Seiten befand und einen Seilzug aus Stahlseilen antrieb. So konnte im Ernstfall ein schneller Verschluss des Bauwerkes durchgeführt werden.

Selbst wenn man die Bogendeckung durch den ehemaligen Schaffstall betritt, ahnt man noch nichts von dem Bauwerk im Inneren. Dieser Weg war nicht der offizielle Eingang, sondern der Notausgang.

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Im Inneren der Bogendeckung – im Hintergrund sieht man, wie stark begrünt das gesamte Objekt inzwischen ist; ebenso im Hintergrund erkennbar: die Mannschaftsbunker

Vor der sichtbaren gemauerten Wand befindet sich auf der rechten Seite der sogenannte Gefechtszugang. Er wurde auch als Notausgang genutzt und mündet im Garagenkomplex, der sich an der Längsseite der Bogendeckung befindet.

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Notausgang in der Bogendeckung bzw. Gefechtszugang

Durch einen ebenso schmalen Zugang (der als Notausgang vorgesehen war) gelangt man in den Hauptraum des Bauwerks: den Führungsraum, der heute leider völlig ausgeräumt ist. Selbst die Wandverkleidungen wurden entfernt, und es gehört viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, das hier auf großen Glaswänden mit der Karte des Ostseeraumes von Planzeichnern die aktuelle Luftlage dargestellt wurde. Im Juni 1985 erfolgte die Inbetriebnahme als Automatisierter Gefechtsstand (AGS) der 43. Fla-Raketenbrigade der NVA, die Luftlage stellte die Funktechnische Abteilung-4301 (FuTA-4301) aus einem separaten Schutzbauwerk bereit. Im Gefechtsstand wurde eine Jägerleitstelle entfaltet (taktische Bezeichnung „Jägerleitstelle-33/1“) für die automatisierte Führung von Abfangjägern der NVA zur Bekämpfung von Luftzielen im Ostseeraum. Vordergründig erfolgte die Jägerleitung von Jagdflugzeugen des Jagdfliegergeschwaders-9 in Karlshagen/ Peenemünde mit Flugzeugen vom Typ MiG-23 und des Jagdfliegergeschwaders-2 in Trollenhagen mit Jagdflugzeugen vom Typ MiG-21.
Die Jagdflugzeuge konnten ab dem Startflugplatz geführt werden.

Durch das Automatisierte Führungs-und Leitsystem erfolgte auch die Entscheidung und Zielzuweisung, welche Ziele mit Flugabwehr-Raketen (Fla-Raketen) oder von Jagdflugzeugen bekämpft werden.

Neben der Kampfführung hatte der Gefechtsstand auch die Aufgabe der Organisation des Zusammenwirkens verschiedener Teilstreitkräfte, Waffengattungen und Verbände im Ostseeraum.

Eine steile Eisentreppe führt hinauf in die Galerie, wo sich die Jägerleitstelle befand. Die Galerie erreicht man regulär über die Treppe in das Obergeschoß, die sich zentral im Bunker befindet.


Im Obergeschoß des Bunkers befanden sich die Arbeitsräume des Stabes, eine Teeküche und vermutlich auch der sogenannte VS-Raum – eine Stahlgittertür vor der eigentlichen Tür deutet darauf hin – die Räume sind alle ausgeräumt.

Im Untergeschoß – genau gegenüber der Treppe – befanden sich die besonders gesicherten Räume der Spezialnachrichten für den Chiffrierdienst sowie für SAS-Verbindungen. Heute leider völlig zugemüllt.

Daneben schließen sich die Räume für die offene Fernsprechvermittlung, die Fernschreibstelle mit mehreren Fernschreibanschlüssen im Sondernetz-1 sowie ein Nachrichtenbetriebsraum mit Übertragungstechnik an. Der Gefechtsstand verfügte zur internen und externen Kommunikation über eine Telefon-Nebenstellenanlage ATZ-65N.

Erstaunlicherweise ist doch noch einiges erhalten geblieben…


Auf der gegenüberliegenden Seite des Flures befindet sich neben dem Sanitärbereich die Lüftungstechnik und die Filteranlage.

In Richtung zum eigentlichen Haupteingang des Bauwerkes der Schleusenbereich (der fast nicht mehr zu erkennen ist – viele Stahltüren fehlen) und der Steuerraum für die Netzersatzanlage und der Batterieraum. Auch hier stehen noch einige Relikte herum – zwar ausgeweidet, aber zumindest keine ganz kahlen Räume. Die Besonderheit dieses Bauwerkes ist, das die Netzersatzanlage sich nicht im Inneren befindet, sondern im Garagenanbau. Sehr wahrscheinlich war es ein mobiles Diesel-Aggregat, das in der Garage betrieben wurde.

Der eigentliche Haupteingang schimmert durch das Dunkel…

Von außen noch der Blick über den Hauptzugang auf das Bunkerdach – einige Aufbauten sind noch zu erkennen, markant der ABC-Detektor.

Hauptzugang und Bunkeraufbauten

Auf dem Bunkerdach sind noch einige Aufbauten erkennbar – hier der ABC-Detektor

Bunker und Schutzbauwerke NVA

Seit der Gründung der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR im Jahre 1956 bis zu ihrer Auflösung 1990 waren die Standorte ein streng gehütetes Geheimnis. Berichtet wurde darüber nicht, wenn, dann nur allgemein, so dass keinerlei Rückschlüsse zu ziehen waren. Heute geht man von mehr als 1.000 Objekten an mehr als 500 Standorten aus. Die Geheimhaltung ging soweit, das auf keiner zivilen Karte militärische Objekte verzeichnet waren.

30 Jahre nach dem Ende der DDR und damit der NVA sind viele Objekte inzwischen abgerissen – renaturiert, wie es im amtsdeutsch heißt. Genügend sind jedoch noch vorhanden, oft vergessen.

Typische Bauformen – eine unvollständige Übersicht

Wie die in der DDR stationierten russischen Truppen der GSSD , versuchte auch die Nationale Volksarmee ihre Bauwerke zu standardisieren. Das betraf natürlich nur Neubauvorhaben – nachträgliche An- und Umbauten bei nachgenutzten Objekten des zweiten Weltkrieges waren da eher individueller Natur.

FB-3

Der Fertigteilbunker 3 ist eine elliptischen Röhre, die aus Fertigteilen (Halb- oder Viertelschale) vorgefertigt war. Die zu verbauende Länge war dabei variabel.

Der Vorteil war seine flexible Einsetzbarkeit (z.B. als Lagerbunker, Mannschaftbunker, Technikbunker für Flugpeiler) bzw. seine Kombinierbarkeit.

Die vorgefertigte Röhre wurde meist mit Erde überdeckt und bekam einen Vorbau, der entweder eine Schleusenanlage oder nur eine Zugangstür enthalten konnte.

FB-360-STB-71

Der Fertigteilbunker 360 in der Ausführung als Stabsbunker bestand aus einer Bogendeckung mit angebautem Garagenkompelx, in dem sich die Netzersatzanlage befand. Die Bogendeckung hatte einen speziellen Anbau (monolithischer Kopfbau genannt), in dem sich die sonstige Technik des Schutzbauwerkes befand (Grobsandfilter, Vorfilter, Lüftung- und Klima)

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Bogendeckung AU 16 mit monolithischem Kopfbau

Dieser Bautyp kam vorrangig bei den Luftstreitkräften zum Einsatz. Beim Schutzbauwerk für den Gefechtsstand 43 in Rövershagen wurde z.B. eine Bogendeckung vom Typ AU 16 als Grundstruktur verwendet.

GDF (Geschlossene Deckung für Flugzeuge)

Praktisch das Gegenstück zu den russischen Bogendeckungen vom Typ AU ist die DDR-Variante GDF. Sie wurde vollständig in der DDR produziert – standardisiert als Viertel-Bogen in Spannbeton-Ausführung. Die Abmessungen waren aus Gründen der Kompatibilität zum „sozialistischen Waffenbruder“ identisch.

Garagenbunker

Zwischen 1974 und 1988 wurden verschiedene Typen von Garagenbunkern gebaut, die vorrangig als Führungsstellen in den Luftstreitkräften Verwendung fanden. Aus vorgefertigten Fertigteil-Modulen wurden Bunker unterschiedlicher Größe gebaut, die jeweils einen Garagenanbau hatten. In der Garage fand sich mindestens Platz für eine mobile Netzersatzanlage.

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FuTA 4301 in Rövershagen – Garagenbunker vom Typ G1d

Die Garagenbunker hatten – je nach Typ – zwischen 3 und 10 Garagenboxen mit Toren.

MB-1

Der monolithische Bunker, Typ 1. Er wurde verwendet als Lagerbunker für S-75 Raketen der Luftabwehr. An der Decke im Inneren befand sich eine kleine Krananlage. In der Doppel-Ausführung wurde der Bunker als MB-2 bezeichnet.

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Rostock – Munitionsausgabestelle 20/XI

Gut versteckt kann man sie noch sehen: die Munitionslagerbunker der ehemaligen Munitionsausgabestelle 20/XI in Rostock – Baujahr um 1934.

Die Nomenklatur verrät: es war das 20. Bauwerk im Luftgau XI.

Typisch sind die vier Ecktürme des Bunkerbauwerkes, das ebenerdig errichtet und anschließend mit Erde überdeckt wurde.

HRO - 20-XI - Titel

Munitionslager 20/XI – charakteristisch sind die 4 Kamine, die gut zu erkennen sind.

Vermutlich handelt es sich entweder um den Bau-Typ H2b oder H2c (genau könnte man das sagen, wenn man die Deckenkonstruktion in Augenschein nehmen könnte).

Bei einer genormten Grundfläche von 18,8 m x 10,8 m hat das Bauwerk eine nutzbare Grundfläche von 202 Quadratmetern. Hier wurden bis zu 60 t Munition gelagert.

Nach 1945 wurde der Bunker und das umliegende Gelände von der NVA weiter genutzt und umgebaut – eine Fuhrpark-Tankstelle kam noch hinzu.

Nach 1989 kam das Gelände in den Besitz der Hansestadt Rostock und wird als Lagerraum genutzt.

GSSD – Jägerleitstelle Petersdorf

Bei diesem Bunker habe ich doch etwas länger gebraucht, bis ich den Standort recherchiert hatte. Im weiteren Umfeld um den Flugplatz Damgarten – wie er bei den russischen Truppen hieß – existieren einige Schutzbauten. Die Jägerleitstelle war natürlich von besonderem Interesse. Endlich war es soweit, der Vor-Ort-Termin stand an. Mit mutmaßlichen Koordinaten ausgestattet war es nicht allzu schwer, in die Nähe des Standortes zu kommen. Wenn man nicht wüsste, das sich in dem bewaldeten und zugewucherten Gelände der Bunker befindet, man würde es nicht glauben. Gut getarnt ist das Gelände für jeden „Nicht-Eingeweihten“ eher unscheinbar. Ein kleiner Fußmarsch, und es zeigten sich erste Zeichen im Gelände: das Abluftrohr der Netz-Ersatz-Anlage taucht plötzlich mitten im Wald auf.

Man befindet sich also mitten auf dem Bunker-Dach. Aha. Kurz darauf kam eine Betonplatte in Sicht, die sich bei näherem Untersuchen als Abdeckung für den Montageschacht herausstellte.

 

Die Suche nach dem Zugang erwies sich als nicht allzu schwierig. Wie ein Schwalbennest schmiegt sich das Zugangsbauwerk an den „Bunkerhügel“ – man sieht es praktisch erst, wenn man kurz davor steht.

GSSD Jägerleitstelle Petersdorf Titel

Hinein geht es augenscheinlich ganz gut – kurz geprüft, ob es auch gut wieder hinaus geht – der innere Boden liegt doch etwas tiefer.

Endlich drin – Treppen, viel steiler und weiter nach unten, als erwartet. Und typisch russische Bunkertüren. Auf der unteren Sohle angekommen, sieht man, das eine weitere Treppe am Ende eines Querganges wieder nach oben führt, hier hatte es vermutlich zwei Eingänge gegeben – diese zweite Treppe wurde am Schluss untersucht. Über einer Tür der unvermeidliche Pfeil von jemanden, der Angst hatte, sich zu verlaufen.

 

GSSD - Funkbunker Petersdorf Vorfilterraum

Der Vorfilterraum ist leider völlig vermüllt

Unten ist die Luft erstaunlich frisch, leichter Brandgeruch ist dennoch wahrzunehmen. Vor dem eigentlichen Hauptgang im Schutz-Bauwerk befindet sich noch eine nach rechts abzweigende kleine Kammer, in der sich der Vor-Filter der Luftreinigung befand. Diese Kammer ist leider völlig zugemüllt.

Die Wände jedoch sehen aus, als wären sie gerade frisch gemauert worden.

Zumindest ist die typisch russische Tür noch erhalten. Links und parallel zu dieser Kammer befindet sich das eigentliche Schutz-Bauwerk.

Unmittelbar rechts, quasi im ersten Raum auf dem Hauptgang auf der rechten Seite, befindet sich der Sanitärbereich. Überraschenderweise nicht die typisch russischen Toiletten mit dem Loch im Boden – Wasserspülung!

Unmittelbar daneben (auch auf der rechten Seite des Hauptganges) folgen die Räume für die Luftfilteranlage und die Wasserversorgung.

Gegenüber – auf der linken Seite des Ganges – der große Lage- und Führungsraum der Jägerleitung. Hier wurde die Luftlage dargestellt sowie die aktuellen Positionen der eigenen Flugstreitkräfte.  Von hier wurden die Abfangjäger in den Zielraum geführt – das war die Aufgabe derer, die hier im Bunker ihren Dienst versahen.

Erbaut wurde der Bunker Ende der 1950er Jahre als Jägerleitstelle für die 16. Garde-Jagdfliegerdivision, die vom Flugplatz Damgarten operierte. Das einetagige Bauwerk hat eine Grundfläche von ca. 360 qm.

GSSD Funkbunker Petersdorf - Lageraum

Der Lage- und Führungsraum – völlig ausgebrannt

Im Lage- und Führungsraum hatte es gebrannt, die Wände sind völlig verrußt, der Fußboden ist schmierig. Der Brandgeruch liegt noch in der Luft. Offensichtlich wurde hier nicht nur eine Party gefeiert…

An den Führungsraum schließen sich zwei weitere Räume an, die vermutlich als Diensträume für die Funkoffiziere dienten. An der Tür befindet sich noch eine taktische Bezeichnung in kyrillischen Buchstaben.

GSSD Funkbunker Petersdorf - Türschild

Erhaltene taktische Bezeichnung an der Tür eines Dienstraumes

Gegenüber dieser Diensträume befindet sich der Raum mit der Kabeleinführung, die Reste der Nachrichten-Verteilanlage und die leeren Räume der Nachrichtentruppe.

Am Ende des Ganges befindet sich der Zugang zur Netzersatzanlage und links daneben der Steuerraum. Der Steuerraum hatte ein Fenster zum Maschinenraum. Erstaunlich ist, das der Raum der Netzersatzanlage in keiner Weise schallisoliert war und nur durch eine Stahltür vom Hauptflur getrennt war- immerhin stand hier ein recht großer Dieselmotor für die Stromversorgung – das muss ziemlich laut gewesen sein.

Das Ende des Raumes ist sehr zugemüllt – hier befand sich der Notausstieg und der Montageschacht, durch den „irgendwelche Experten“ Müll von oben hereingeschüttet haben.

Auf dem Rückweg wurde noch der ehemalige zweite Treppenaufgang untersucht. Die Treppe führt in ein zweites Zugangsbauwerk, ca. 50m vom ersten entfernt. Dieses wurde jedoch zugemauert, so dass der Weg hier nicht hinaus führte.

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Der Bunker war bis zum Abzug der russischen Truppen 1994 in Betrieb. Heute ist er in Privatbesitz und wird als Fledermausquartier genutzt.

Bunker und Schutzbauwerke GSSD

Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) bildeten seit 1954 die auf deutschem Territorium stationierten Besatzungstruppen. Von 1945 bis 1954 hießen sie auch noch so: Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (GSBT).

Es gibt keine genauen Aussagen darüber, wie groß die Truppenstärke tatsächlich war – die Angaben schwanken zwischen 400.000 und 1 Million Mann. Selbst über die Anzahl der genutzten Objekte gibt es keine genauen Angaben. Es wird davon ausgegangen, dass es mehr als 10.000 genutzte Objekte an über 270 Standorten gab – darunter unzählige Bunker und Schutzbauwerke. Schätzungsweise waren etwa 50% der von der GSSD genutzten Objekten Bauwerke, die von den deutschen im zweiten Weltkrieg errichtet wurden – angefangen bei Flugplätzen, über Kasernen, Truppenübungsplätzen und natürlich auch Bunkeranlagen.

Die GSSD war dem Oberkommandierenden der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland mit Sitz in Wünsdorf unterstellt. Im Kriegsfall wäre daraus das Oberkommando der 1. Westfront geworden.

Ab dem 29.06.1989 wurden die in Deutschland stationierten russischen Truppen als Westgruppe der Truppen (WGT) bezeichnet.

Am 31. August 1994 zogen die letzten russischen Besatzungstruppen aus Deutschland ab.

25 Jahre nach dem Abzug der letzten Truppen sind viele Objekte inzwischen abgerissen – renaturiert, wie es im amtsdeutsch heißt. Genügend sind jedoch noch vorhanden, oft vergessen.

Typische Bauformen – eine unvollständige Übersicht

Wie die Nationale Volksarmee auch, versuchten auch „die Russen“ ihre Bauwerke zu standardisieren. Das betraf natürlich nur Neubauvorhaben – nachträgliche An- und Umbauten bei nachgenutzten Objekten des zweiten Weltkrieges waren da eher individueller Natur.

Ein Schwerpunkt bei der GSSD lag auf den Flugplätzen und ihren Bauten. Hier fallen insbesondere die typischen Bogendeckungen auf, die vorrangig als Splitterschutz für abgestellte Flugzeuge dienten. Die industrielle Fertigung von Fertigbetonteilen in größeren Stückzahlen begann Ende der 1950er Jahre in der damaligen UdSSR.

Deren Vorläufer waren die offene Splitterschutzdeckungen.

offene Splitterschutzdeckung

Anfang der 1950er Jahre – als „lessons learned“ aus dem Korea-Krieg –  erging der Befehl, auf allen Flugplätzen Wälle zum Schutz der Flugzeuge vor Splittern zu errichten. In der einfachsten Bauform waren dies Sandwälle (die Typenbezeichnung dafür lautete AP-S1).

Die nächste Generation bildeten Wälle aus Fertigbetonteilen, deren Zwischenräume mit Sand aufgefüllt wurden (die Typenbezeichnung dafür lautete AP-B1). Diese sind insbesondere für den Schutz der Bomber vom Typ IL-28  konzipiert worden, zu finden sind sie z.B. noch auf dem Frontbomber- Flugplatz Brand.

Bogendeckung

Die typische Bauform, wie sie auf vielen Flugplätzen als gedeckte Splitterschutzstellung zu finden ist. Vorrangig diente sie als Unterstand für ein oder zwei Flugzeuge; darüber hinaus wurden im inneren noch diverse Flugzeug-Zusatzausrüstung gelagert (z.B. Zusatztanks). Gebaut wurden sie aus vorgefertigten Betonfertigteilen in Viertel-Bogenform. Ab 1968 wurden ca. 150 Bogendeckungen pro Jahr auf russischen Flugplätzen in der DDR gebaut.

Mit größeren Flugzeugen mussten auch die Bogendeckungen größer werden, so dass bis 1989 verschieden große Typen von Bogendeckungen entstanden: AU-11 / AU-13 / AU-16 / AU-19. Die Zahl gibt in etwa die Basisbreite in Metern an – AU ist die russische Abkürzung für Bogendeckung (arotschnoe ukrütije in vereinfachter Umschrift).

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GSSD Flugplatz Brand – Bogendeckung Typ AU-13

Technisch waren die Bogendeckungen so ausgestattet, das die Flugzeuge im Inneren gewartet und betankt werden sollten, so dass ein einsatzbereites Flugzeug selbständig aus der Bogendeckung herausfahren konnte. Die Rolltore waren leicht nach außen geneigt und öffneten sich durch ihre Eigengewicht von selbst, nach dem die Verriegelung gelöst war.

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AU-13 – Abgaskanal (rechts) und technischer Raum für Betankung und Elektroanschluss (links)

Allein auf dem Flugplatz Brand wurden insgesamt 31 Bogendeckungen vom Typ AU-13 gebaut, von denen ein großer Teil noch zu sehen ist.

Deckungsgräben

Insbesondere für das Bodenpersonal auf Flugplätzen wurden sogenannte Deckungsgräben in Form von Betonrohren aus Fertigteilen angelegt. Die Länge wurde dabei individuell den Bedürfnissen vor Ort angepasst.

Jägerleitstelle

Schutzbauwerke der Jägerleitstellen waren ein Typenbau; d.h. die Bunker für die Jägerleitstellen sahen an verschiedenen Standorten im wesentlichen gleich aus. Gebaut wurden sie Ende der 1950 Jahre. Die Schutzbauwerke befanden sich immer etwas außerhalb der jeweiligen Flugplätze (z.B. für den Flugplatz Damgarten befand sich die Jägerleitstelle in Petersdorf).

 

Quellen:
Freundt, Lutz „Sowjetische Fliegerkräfte. Deutschland 1945 – 1994. Typenkatalog der Luftfahrzeuge, Flugplatzanlagen und Schutzbauten.“, Band 1 (Flugülätze A – F); Diepholz, 1998
Freundt, Lutz / Büttner, Stefan „Rote Plätze. Russische Militärflugplätze. Deutschland 1945 – 1994. Fliegerhorste – Aerodrome – Militärbrachen“; Berlin, 2007

Arnstadt – Jonastal S III

Das Tal, das das Thüringer Flüsschen Wilde Weiße in den Muschelkalk zwischen Arnstadt und Crawinkel gegraben hat, wird als Jonastal bezeichnet.

Dies ist einer der Orte, den ich wenigstens einmal gesehen haben wollte. Eine Aura des mysteriösen geht von diesem malerischen Ort aus, selbst wenn heute wenig an die einstigen Aktivitäten erinnert. Dabei ist der Ort selbst inzwischen recht unscheinbar – er lebt von der Aura des Geheimnisvollen, die ihn umgibt.

Unmittelbar angrenzend befindet sich der Truppenübungsplatz Ohrdruf, der schon seit 1906 genutzt wurde, nach 1945 war er von der GSSD in Beschlag genommen worden, heute wird er von der Bundeswehr genutzt. Entsprechende Schilder kennzeichnen den interessanten Teil des Tals und machen eine (fotografische) Erkundung des weiteren Geländes nahezu unmöglich.

Jonastal 01

Jonastal – Grenze vom TüP Ohrdruf

Berühmtheit erlangte das Jonastal durch eine gigantische Baustelle zum Ende des zweiten Weltkrieges. Von November 1944 bis zum April 1945 wurden 25 Tunnel von Tausenden von Häftlingen in den Hang gegraben. Hier sollte das Sonderbauvorhaben Nummer drei – abgekürzt S III – realisiert werden. Was genau sich dahinter verbirgt, ist bis heute eines der Geheimnisse der Geschichte. So ziemlich alles wurde mit dem Jonastal in Verbindung gebracht: ein Führerhauptquartier, Anlagen zur deutschen Atomforschung, ein Versteck für das Bernsteinzimmer, unbekannte Hochtechnologie-Anlagen, unterirdische Produktionsanlagen und so weiter und so fort.

Die Gesamtlänge der bekannten Stollen beträgt mehr als zwei Kilometer, wobei der Vortrieb der einzelnen Stollen recht unterschiedlich war. Am Ende sollten alle Stollen noch durch einen Quergang miteinander verbunden werden – von diesem Quergang wurden immerhin 800m fertig gestellt. Der Bauaushub wurde mittels einer Grubenbahn aus den Stollen geschafft, die auch für Materialtransporte genutzt wurde – die eigens für die Baustelle errichtete Schmalspurbahn führte von Crawinkel durch das Tal bis nach Arnstadt. 1945 waren etwa 600m Stollengänge im Rohbau fertig – mit einer 50 cm dicken Betonschicht ausgekleidet. Geplant war vermutlich ebenso ein gemeinsames und durchgehende Verbindungsportal für alle Stollen – die entsprechenden Stahlträgergerüste über den Stolleneingängen waren bereits errichtet.

Gegenüber der Baustelle – auf der anderen Seite der Jonastalstraße – wurde u.a. ein Pumpwerk und eine Kompressorenstation für Druckluft errichtet.

Die Baustelle wurde am 3. April 1945 evakuiert und fiel den Amerikanern am nächsten Tag in die Hände – hier wurde buchstäblich bis zum letzten Tag gearbeitet, was sicherlich zur Mythenbildung um das Jonastal beigetragen hat – ebenso die immer noch geheim gehaltenen Aktivitäten der amerikanischen 89. Infanteriedivision im Jonastal, bevor das Gebiet an die russischen Truppen übergeben wurde.

Der damalige Bauzustand der Anlage wurde durch den Arnstädter Architekten Ernst Kott im Oktober und November 1945 mit Lageplänen und Fotos dokumentiert. Der Auftrag dazu kam von den russischen Besatzungstruppen. Sein Bericht Baustelle „Jonastal“ bei Arnstadt ist bis heute erhalten.

Die Plünderung und Demontage der Baustelle Jonastal begann schon im April 1945, noch unter den Amerikanern. Im Winter 1946/ 1947 wurden die Stolleneingänge gesprengt, nachdem alles brauchbare entfernt worden war. Danach war die Straße Sperrgebiet – die Truppen der GSSD hatten sich auf dem nahen Übungsplatz in Ohrdruf ausgebreitet und die Gegend zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

1988 kam es zu den ersten offiziellen Erkundungen der Gänge seit dem Ende des Krieges. In den Folgejahren nach 1989 – als die Straße und somit das Tal wieder für die Öffentlichkeit frei zugänglich waren – kam es zu verschiedentlichen weiteren Versuchen, einige Eingänge wieder zu öffnen. Warum bereits freigelegte Eingänge dann ohne Erkundungen wieder verschlossen wurden – darüber kann man gut spekulieren.

Heute erinnert von außen kaum etwas an die geheimnisvolle Großbaustelle im Jonastal. Die Schmalspurbahn wurde 1945 demontiert – der Bahndamm ist in Rudimenten noch erkennbar; Geröllberge türmen sich an den Hängen, höher gelegene Bereiche wurden zugemauert; vom Kompressorengebäude stehen nur noch die Fundamente.

 

Quellen:
Internetpräsenz der GTGJ Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V. Jonastalverein
Kott, Ernst (Technisches Büro für Hoch- und Tiefbau in Arnstadt in Thüringen); „Baustelle Jonastal bei Arnstadt“; aufgenommen Oktober / November 1945